Allgemein, Nerd & Nature

Erlebniswald: Fantasy-Mitmachtheater für Kinder

Seit Anfang des Jahres bin ich ja immer wieder in Wäldern unterwegs in meiner Kategorie Nerd & Nature (Teil 1: Die ersten Schritte, Teil 2: Waldbaden – keine gute Idee?, Teil 3: kleines Lager mit Tarp). Vor einigen Wochen bin ich angefragt worden, mich bei einem tollen regionalen Projekt als Storyteller einzubringen:

In einem Fantasy-Mitmachtheater für Kinder zwischen 4 – 10 Jahren geht es auf Waldwegen durch einen Forst, in dem sich phantastische und märchenhafte Figuren wie Zwerge, Elfen und Feen aufhalten. An zahlreichen Stationen mit echten Darsteller*innen können die Kinder in Begleitung ihrer Eltern einer Sache auf den Grund gehen, die den Wald etwas in Unruhe versetzt hat. Wird es ihnen gelingen, die Geschehnisse aufzuklären?

Die Story hierfür zu entwickeln hat großen Spaß gemacht und war etwas angenehm Neues für mich. Jede Station, jede Figur, kommt für die Gästegruppen nur einmal vor, was es zur kleinen Herausforderung macht, eine in sich stimmige Geschichte zu kreiren. Zudem muss man „Fünfe mal gerade sein lassen“, anders geht es nicht. 🙂

Im Vordergrund stehen Spaß und Unterhaltung für die Kinder, dennoch soll die Story hinhaltlich etwas bieten und in sich stimmig sein. Es wird ein Mitmach-Theater, was automatisch viel Improvisation erfordert. Als alter Rollenspieler ist das mein wöchentlich Brot, manch andere aus dem hiesigen Theaterverein, die uns dankenswerterweise unterstützen, fragen mit leichter Panik nach Text. Die Rollenbeschreibungen habe ich erstellt und auch einen Gestaltungsvorschlag der jeweiligen Figur, nur Dialoge/Monologe ist bei so etwas beim besten Willen nicht möglich. Zumal engen festgeschriebene Texte hier womöglich nur ein, da jede Gästegruppe völlig unterschiedlich sein wird.

Es gibt zwei Termine, am Anfang 06.08.22 und am Ende 10.09.22 der Sommerferien in Bayern. Das Ganze ist kostenlos, geht auf Spendenbasis, und ohne Anmeldung zwischen 13 und 16 Uhr. Vielleicht kommt ihr aus der Gegend oder kennt jemanden – empfehlt uns weiter!

Ach, und ich kann es mir natürlich nicht nehmen lassen, auch einen Part in dem Stück zu übernehmen … 🙂

Dann vielleicht bis bald im H e n a b e r g e r E r l e b n i s w a l d !

Allgemein, Tabletop Gaming

Storytelling & Painting a Mini: Payran

Nach langer Zeit habe ich es mal wieder Dank einer kleinen spielrundeninternen Challenge geschafft, eine Miniatur (sogar zwei) zu bemalen. Es sollte nach Möglichkeit etwas Passendes zu Halloween sein und da waren schnell zwei aus dem unbemalten Sortiment gefunden. Irgendwie war meiner Storytellerseele sofort klar, dass diese Beiden zusammengehören – dass eine Geschichte sie verbindet. Mit dem Malfortschritt ist so auch eine kleine Story um Payran und seine Hündin Seri entstanden. Mit der Fertigstellung sind Payran und Seri bereit, loszuziehen, um ihrem grausamen Schicksal auf den Grund zu gehen …

Erwachen

Ein Ruck ging durch Payrans Körper und er kam zu sich. Entsetzt starrte er auf ein offenes Grab. Frische aufgewühlte Erde lag rings herum, und unverkennbar hatte sich jemand seinen Weg nach oben zurück zu den Lebenden gebahnt. War das ein Friedhof? Die Nacht war kühl und finster, dennoch konnte Payran seine Umgebung erkennen. Alles war seltsam blass, farblos und wirkte, als sähe er es durch eine dicke Glasscheibe. Sein Körper schmerzte nicht, fühlte sich aber seltsam an.

„Was … Wo bin ich?“, stammelte er.

Dort vorne begann ein Wald, vor dem einzelne Bäume wie der Baummeute nacheilende Gestalten standen. Knotig waren sie gewachsen, hoch und verdreht, aber nicht Furcht erregend, sondern faszinierend. Payran blickte sich verwirrt um. Kein Licht brannte irgendwo, kein Haus war zu erkennen, nur die vage Spur eines Trampelpfades, der zu dieser Stätte der Toten führte. Das Buschwerk neigte sich besitzergreifend in den Weg und Gras kämpfte zwischen den kleinen Steinen um seine Existenz. Hier war schon lange niemand mehr durchgekommen. Payran besah sich seine Hände, öffnete und schloss sie prüfend. Sie fühlten sich taub an, fast wie ein Fremdkörper, und dennoch konnte er sie normal bewegen. War seine Haut schon immer so blass und – ein Tiergeräusch erklang und Payran blickte aufgeschreckt hoch. Da war es wieder! Es war das wohlvertraute Jaulen eines Hundes.

„Seri!“

Payran hastete mit unsicheren Schritten los. Er kannte seine Hündin gut genug, um zu hören, dass es ihr nicht gut ging.

Nicht allein

Mit fahriger Geste schob Payran einen weiteren Busch beiseite, der in den Weg ragte. Seri winselte leidvoll, sie hatte Angst. Angst war es auch, was Payran beherrschte. Blinzelnd versuchte er seine rasenden Gedanken zu beruhigen. Er stolperte und stürzte beinahe über eine Wurzel. Trug er schwere Lederstiefel? Sein Blick wanderte weiter hoch und er besah sich kurz seinen Gürtel. Es war ein Waffengurt, jedoch ohne Klinge darin. Seine Schritte wurden sicherer.

„Ich bin ein Söldner …“, erinnerte er sich und die Erinnerung verlieh ihm Sicherheit. „Ja, ein Söldner.“

Die Kühnen Klingen, so war der Name ihrer bunt gemischten Truppe, die sich im Land großer Beliebtheit erfreute. Oder nicht mehr? Lange war es so gewesen, bis –

Das Buschwerk gab den Blick frei und Payran stoppte. Er erblickte die verwitterten Trümmer eines Karrens. Der Wagen musste hier vor Jahren liegen geblieben sein. Sogar die Knochen des unglückseligen Zugtieres lagen davor. Scheinbar war es im Zaumzeug verendet. Unweit der Überreste stand Payrans Hündin Seri. Sie tappte unsicher auf der Stelle, schwankte und winselte immer wieder. Payran vermutete eine ähnliche Verwirrung bei ihr wie er sie erlebte. Zudem erschien sie größer, als er sie in Erinnerung hatte. Sie riss ihr Maul ohne zu brüllen auf, ein stummer Schrei der Verzweiflung.

„Seri, hier! Ich bin es, Pay-“

Das Tier drehte sich mit leidvollem Blick um und Payrans Stimme versagte vor Entsetzen.

Was ist passiert?

Blanke Knochen. Payran konnte seinen Blick nicht von Seri abwenden. Sah die Hündin von der einen Seite noch etwas mitgenommen, aber normal aus, bot die andere Seite ein Bild des Schreckens. Ihr halber Schädel war skelettiert und ihr Brustkorb war bis auf die Knochen freigelegt. Dennoch lebte sie, kam winselnd auf Payran zu. Sie schnupperte vorsichtig an seiner Hand. Payran wagte es kaum, sie anzufassen. Dann kraulte er Seri hinter dem rechten Ohr, so, wie sie es immer mochte, und tatsächlich beruhigte sich das Tier ein wenig. Payran starrte mit kaltem Entsetzen auf seine Hand, seinen Arm. Das war nicht der Körper eines Lebenden. Mit zitternder Hand befühlte er sein Gesicht. Dünne, ledrige Haut spannte sich über seinen Schädel und ohne es zu sehen, wusste er, dass er einen furchtbaren Anblick bieten musste.

„Komm“, stammelte er und tappte atemlos voran. Der Weg machte eine Biegung und Payran hätte sie beinahe verpasst. Noch einige Monde länger und das Buschwerk würde den Pfad vollends verschlungen haben. Dann würde niemand mehr den Weg zum … Payran hielt an. War das der Plan? Sollte seine letzte Ruhestätte nie gefunden werden? Seri bellte und es klang sogar halbwegs normal. Sie lief voraus.

„Warte! Nicht so schnell.“

Als Payran zu ihr aufschloss, trat er auf einen kleinen freigelegten Bereich. Hier hatte jemand vor nicht all zu langer Zeit gelagert. Das war das letzte Lager der Kühnen Klingen gewesen! Schmerzhaft klarte die Erinnerung in seinem Gedächtnis auf. Die ganze Truppe war ermordet worden! Aber wo waren all die anderen Leichen? Das Lager sah nicht nach einem tödlichen Kampf aus. Eher danach, als wäre jemand eilig aufgebrochen. Wortfetzen waberten durch seinen Schädel. Erhitzte Diskussionen, Meinungsverschiedenheit, Streit. Wut, Aggression. Sein Blick wanderte weiter nach Osten. Dort hatte er zuletzt die erste Wachschicht angetreten. Ohne Unterlass rang Payran mit dem Erinnerungsverlust, versuchte, den Schleier des Vergessens zu zerreißen. Er hatte Wache gestanden – seine Leute waren aufgebracht – Schritte, schnell näher kommend, dann … Payran schnürte es die Kehle zu. Dann war es geschehen.

Keine Ruhe

Sie haben mich umgebracht. Meine eigenen Leute waren es. Ich sehe noch sein Gesicht vor mir: Maylin Fawreak, mein Korporal. Als ich am Boden lag, blutend und sterbend, blickte er auf mich herab. Die Dunkelheit des Todes dräute an den Rändern meiner Wahrnehmung, kroch von allen Seiten unaufhaltsam in die Mitte, um mich dieser Welt zu entreißen. War es Wut in seinem Gesicht? Trauer? Tragik? Es musste einen gravierenden Grund für seine Tat geben, aber welchen? Verdiente ich den Tod? Habe ich einen furchtbaren Fehler begangen? Die gesamte Gruppe gefährdet? Oder war es Heimtücke? Neid? Niedertracht, die Maylin antrieben?

Seri und ich sind gestorben und leben dennoch weiter. Dies muss einen Grund haben. Entweder ewige Strafe, oder Chance auf Vergeltung. Bin ich das Opfer oder der Täter? Schuldig oder unschuldig? Womöglich steckt noch viel mehr dahinter.

Seri sah mich erwartungsvoll an. Das arme Tier, wieso war es in diese Sache hineingezogen worden?

„Wir werden nicht eher ruhen, bis wir es herausgefunden haben, nicht wahr?

Seri bellte bestätigend und mit grimmigem Blick marschierte ich los.

„Es wird sich zeigen, ob wir fortan zu den Guten oder den Bösen gehören.“

Ende?

Hier gibt es noch das Abschlussbild, in dem die Minis besser zu sehen sind. Es ist sicher nicht mein bestes Malergebnis, irgendwie hat die innere Ruhe gefehlt, aber ich bin dennoch ganz zufrieden. Und wer weiß, vielleicht werden Payran und Seri irgendwo in einer meiner Geschichten auftauchen … 🙂