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Schön gesprochen, gut zu hören: Erster Sprecherkurs

Nachdem ich vor einigen Jahren mit meinem Buch Wulferan – Der dunkle Held* bei diversen Veranstaltungen zu Lesungen sein durfte, wurde mir oft gesagt, dass ich doch Hörbücher sprechen sollte. Das empfand ich stets als großes Kompliment, da es mir offenbar gelungen war, eine kurzweile Lesung zu gestalten. Als langjähriger Rollenspieler ist szenisches Sprechen ein ständiger Begleiter in meiner Freizeit, sei es als Spieler oder Spielleiter. Aber was genau macht ein gut gesprochenes Hörbuch aus? Und die Komplimente in Ehren, aber könnte ich das wirklich? Meine selbst gewählte Abschlussarbeit weiter unten habe ich anders gelesen, als ich es zuvor getan hätte.

Nun habe ich mich dem Thema des Sprechens genauer gewidmet und einen Sprecher*innen-Basiskurs Online bei der Sprecher-Akademie gemacht. Ich wollte wissen, was die Grundlagen dieses spannende Handwerks sind, worauf es ankommt und wo ich stehe. Ich hatte schon eine ungefähre Vorstellung meiner persönlichen Sprechersituation und dennoch gab es eine zunächst ernüchternde Überraschung – aber gleichzeitig auch eine wichtige Erkenntnis.

Trainer war Sascha Tschorn, der sowohl fachlich als auch didaktisch hervorragend war. Der Kurs beinhaltete sowohl Fachtheorie, als auch reichlich Übungen. Behandelt wurden verschiedene Themen wie Radiobeiträge („Plaudern“), Nachrichten/Wettervorhersage und natürlich das Hörbuch. Anhand von aufgenommenen Hausaufgaben gab es Feedback sowohl von Sascha, als auch aus der Gruppe. Sehr interessant ist, wie unterschiedlich Dinge wahrgenommen werden. Es zeigte sich, dass auch hier, ähnlich wie beim Schreiben, nicht nur die Geschmäcker sehr verschieden sein können, sondern auch, wie etwas aufgefasst und empfunden wird.

Während mir „Plaudern“ noch ganz gut gelungen ist, waren Nachrichten/Wetter ein echter Reinfall. Das hat mich jedoch nicht sonderlich überrascht. Hier habe ich keine Stärke vermutet, sondern eher das Gegenteil. Wie schwer es ist, die richtige Tonalität für eine Nachrichtenmeldung zu treffen! Das habe ich erst gemerkt, nachdem ich es mal selbst versucht hatte. Hier hat bei mir noch Selbstbild/Fremdbild gestimmt, aber in der Königsklasse des Sprechens haben sich unerwartete Unterschiede aufgetan.

Mein Hauptinteresse liegt auf der Erzählung / dem Hörbuchsprechen und dort hatte ich auch meine Stärke vermutet. Sicherlich habe ich gute Aspekte mitgebracht, aber schnell hat sich Ernüchterung breit gemacht: So, wie ich es gesprochen habe, habe ich es zwar sehr gerne gemacht, aber offenbar nicht sonderlich gut. Das hat mich unerwartet kalt erwischt und mich in Ratlosigkeit geworfen. Wie dann, wenn nicht so? In der letzten Session des Kurses habe ich erstmals erahnt, wie ich sprechen sollte. Das unterscheidet sich deutlich von dem, wie ich es vorher angegangen bin. Wie konnte das sein? Hatten die Leute bei Lesungen mir nicht oft genug gesagt, ich sei hörbuchgeeignet?

Nach der ersten Reflektion der Erkenntnisse ist es mir klar geworden: Eine Lesung ist immer auch visuell, hier ist neben dem Vorlesen/Vortragen auch eine gewisse Darbietung gerne gesehen (es wird vielleicht sogar erwartet) und trägt zum Gesamterlebnis bei. Zudem ist eine Lesung für gewöhnlich nur dreißig bis fünfundvierzig Minuten lang, ein Hörbuch geht über viele Stunden. Ist es also vermutlich bei einer Lesung in Ordnung, etwas zu overacten, klappt das beim reinen Hörformat nicht. Schon gar nicht, wenn die Geschichte sich über viele Hörstunden erstreckt.

Ich werde mir also einen eigenen Sprechmodus für das reine Hörformat aneignen müssen, damit es angenehm ist, auch über längere Zeit zuzuhören (und eben nur zu hören, nichts zu sehen). Die Sprecherakademie bietet noch weiterführende Kurse, die ich mir noch vornehmen könnte. Schließlich war das nur der Basiskurs, die Grundlagen, und mich interessiert jetzt natürlich, mit welchen Mitteln und Methoden man noch weiterkommt.

Als freiwillige und selbstgewählte „Abschlussarbeit“ habe ich mir den Prolog aus Wulferan – Der dunkle Held vorgenommen und eingesprochen (an einem fremden Text will ich nicht herumexperiementieren). Mit einer Studioaufnahme kann das rein technisch natürlich nicht mithalten. Außerdem höre ich selbst schon einige Dinge, die noch ausbaufähig sind. Was meint ihr?

Wie hat es auf euch gewirkt? Würdet ihr weiterhören wollen? Wenn ja oder nein, warum?
Danke! 🙂

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Hörbuchveröffentlichung: Glut am Horizont

Lange wurde hinter den Kulissen verhandelt und daran gearbeitet, nun ist es soweit: Seit Anfang Februar ist mein Hörbuch Glut am Horizont als Audible Original erhältlich. Ich wünsche viel Spaß beim Hören!

Nach dem Weltenbrand haben sich die Überlebenden zum kleinen zentral gelegenen Königreich Mydland neu zusammengefunden. Aus einem Weltenriss, der die Dieswelt mit der Anderwelt verbindet, dringen ungehindert dunkle Kreaturen hervor und bedrohen den Frieden in der neuen Welt. Königin Isera entsendet einen Feldzug aus Freiwilligen, um dem ein Ende zu setzen.

Unter großen Verlusten gelingt es, den Weltenriss zu schließen. Eine kleine Gruppe beobachtet jedoch, wie es im letzten Moment ein Dämon in ihre Welt schafft und nun einen finsteren Plan verfolgt. Nuria, Halvar, Fianit, Bolbir und Alberik machen sich an die Verfolgung. Dabei kämpfen sie nicht nur mit den Gefahren auf der Verfolgung, sondern auch mit ihren Vergangenheiten. Sie müssen einander vertrauen können, um erfolgreich zu sein. Aber so mancher von ihnen hat ein finsteres Geheimnis …

Offizielle Inhaltsangabe:
Grausame Wesen aus der Anderwelt bedrohen das einst blühende Erandor. Um das Land und seine Bewohner zu retten, müssen fünf ungleiche Legionäre den letzten Riss zwischen den beiden Welten schließen und alle Monster bezwingen. Staffel 1 der neuen High Fantasy-Hörbuchserie von Kilian Braun wird atmosphärisch interpretiert von Robert Frank, dem Träger des Deutschen Phantastik Preises 2018.

Dunkelheit  liegt über Erandor und dem Mydland seit dem großen Weltenbrand. Finstere Geschöpfe aus der Anderwelt dringen über Risse zwischen den Reichen in das einst prächtige Land vor. Um die Region von den tödlichen Monstern zu befreien und diesen den Weg nach Erandor für immer abzuschneiden, schickt Königin Isera drei Legionen Freiwilliger. Ein langer, grausamer und opferreicher Kampf entbrennt und das Land verarmt zusehends. Schließlich können Halvar, Alberik, Bolbir, Fianit und Nuria  den letzten verbleibenden Riss zur Anderwelt schließen. Doch ihr Auftrag ist für die einzigen Überlebenden der dritten Legion noch nicht erfüllt. Eine fürchterliche Kreatur ist in Erandor geblieben und die fünf ungleichen Gefährten nehmen notgedrungen ihre Verfolgung auf.

Wie generell bei Audible könnt ihr das Hörbuch im Abo anhören (der erste Monat ist kostenlos) oder einzeln erwerben. Auf der Produktseite gibt es 10 Minuten als Hörprobe – hört doch mal rein! Ich finde, Robert Frank macht es super.

Schreibt mir gerne, wie es euch gefallen hat 🙂

Allgemein, Tabletop Gaming

Storytelling & Painting a Mini: Payran

Nach langer Zeit habe ich es mal wieder Dank einer kleinen spielrundeninternen Challenge geschafft, eine Miniatur (sogar zwei) zu bemalen. Es sollte nach Möglichkeit etwas Passendes zu Halloween sein und da waren schnell zwei aus dem unbemalten Sortiment gefunden. Irgendwie war meiner Storytellerseele sofort klar, dass diese Beiden zusammengehören – dass eine Geschichte sie verbindet. Mit dem Malfortschritt ist so auch eine kleine Story um Payran und seine Hündin Seri entstanden. Mit der Fertigstellung sind Payran und Seri bereit, loszuziehen, um ihrem grausamen Schicksal auf den Grund zu gehen …

Erwachen

Ein Ruck ging durch Payrans Körper und er kam zu sich. Entsetzt starrte er auf ein offenes Grab. Frische aufgewühlte Erde lag rings herum, und unverkennbar hatte sich jemand seinen Weg nach oben zurück zu den Lebenden gebahnt. War das ein Friedhof? Die Nacht war kühl und finster, dennoch konnte Payran seine Umgebung erkennen. Alles war seltsam blass, farblos und wirkte, als sähe er es durch eine dicke Glasscheibe. Sein Körper schmerzte nicht, fühlte sich aber seltsam an.

„Was … Wo bin ich?“, stammelte er.

Dort vorne begann ein Wald, vor dem einzelne Bäume wie der Baummeute nacheilende Gestalten standen. Knotig waren sie gewachsen, hoch und verdreht, aber nicht Furcht erregend, sondern faszinierend. Payran blickte sich verwirrt um. Kein Licht brannte irgendwo, kein Haus war zu erkennen, nur die vage Spur eines Trampelpfades, der zu dieser Stätte der Toten führte. Das Buschwerk neigte sich besitzergreifend in den Weg und Gras kämpfte zwischen den kleinen Steinen um seine Existenz. Hier war schon lange niemand mehr durchgekommen. Payran besah sich seine Hände, öffnete und schloss sie prüfend. Sie fühlten sich taub an, fast wie ein Fremdkörper, und dennoch konnte er sie normal bewegen. War seine Haut schon immer so blass und – ein Tiergeräusch erklang und Payran blickte aufgeschreckt hoch. Da war es wieder! Es war das wohlvertraute Jaulen eines Hundes.

„Seri!“

Payran hastete mit unsicheren Schritten los. Er kannte seine Hündin gut genug, um zu hören, dass es ihr nicht gut ging.

Nicht allein

Mit fahriger Geste schob Payran einen weiteren Busch beiseite, der in den Weg ragte. Seri winselte leidvoll, sie hatte Angst. Angst war es auch, was Payran beherrschte. Blinzelnd versuchte er seine rasenden Gedanken zu beruhigen. Er stolperte und stürzte beinahe über eine Wurzel. Trug er schwere Lederstiefel? Sein Blick wanderte weiter hoch und er besah sich kurz seinen Gürtel. Es war ein Waffengurt, jedoch ohne Klinge darin. Seine Schritte wurden sicherer.

„Ich bin ein Söldner …“, erinnerte er sich und die Erinnerung verlieh ihm Sicherheit. „Ja, ein Söldner.“

Die Kühnen Klingen, so war der Name ihrer bunt gemischten Truppe, die sich im Land großer Beliebtheit erfreute. Oder nicht mehr? Lange war es so gewesen, bis –

Das Buschwerk gab den Blick frei und Payran stoppte. Er erblickte die verwitterten Trümmer eines Karrens. Der Wagen musste hier vor Jahren liegen geblieben sein. Sogar die Knochen des unglückseligen Zugtieres lagen davor. Scheinbar war es im Zaumzeug verendet. Unweit der Überreste stand Payrans Hündin Seri. Sie tappte unsicher auf der Stelle, schwankte und winselte immer wieder. Payran vermutete eine ähnliche Verwirrung bei ihr wie er sie erlebte. Zudem erschien sie größer, als er sie in Erinnerung hatte. Sie riss ihr Maul ohne zu brüllen auf, ein stummer Schrei der Verzweiflung.

„Seri, hier! Ich bin es, Pay-“

Das Tier drehte sich mit leidvollem Blick um und Payrans Stimme versagte vor Entsetzen.

Was ist passiert?

Blanke Knochen. Payran konnte seinen Blick nicht von Seri abwenden. Sah die Hündin von der einen Seite noch etwas mitgenommen, aber normal aus, bot die andere Seite ein Bild des Schreckens. Ihr halber Schädel war skelettiert und ihr Brustkorb war bis auf die Knochen freigelegt. Dennoch lebte sie, kam winselnd auf Payran zu. Sie schnupperte vorsichtig an seiner Hand. Payran wagte es kaum, sie anzufassen. Dann kraulte er Seri hinter dem rechten Ohr, so, wie sie es immer mochte, und tatsächlich beruhigte sich das Tier ein wenig. Payran starrte mit kaltem Entsetzen auf seine Hand, seinen Arm. Das war nicht der Körper eines Lebenden. Mit zitternder Hand befühlte er sein Gesicht. Dünne, ledrige Haut spannte sich über seinen Schädel und ohne es zu sehen, wusste er, dass er einen furchtbaren Anblick bieten musste.

„Komm“, stammelte er und tappte atemlos voran. Der Weg machte eine Biegung und Payran hätte sie beinahe verpasst. Noch einige Monde länger und das Buschwerk würde den Pfad vollends verschlungen haben. Dann würde niemand mehr den Weg zum … Payran hielt an. War das der Plan? Sollte seine letzte Ruhestätte nie gefunden werden? Seri bellte und es klang sogar halbwegs normal. Sie lief voraus.

„Warte! Nicht so schnell.“

Als Payran zu ihr aufschloss, trat er auf einen kleinen freigelegten Bereich. Hier hatte jemand vor nicht all zu langer Zeit gelagert. Das war das letzte Lager der Kühnen Klingen gewesen! Schmerzhaft klarte die Erinnerung in seinem Gedächtnis auf. Die ganze Truppe war ermordet worden! Aber wo waren all die anderen Leichen? Das Lager sah nicht nach einem tödlichen Kampf aus. Eher danach, als wäre jemand eilig aufgebrochen. Wortfetzen waberten durch seinen Schädel. Erhitzte Diskussionen, Meinungsverschiedenheit, Streit. Wut, Aggression. Sein Blick wanderte weiter nach Osten. Dort hatte er zuletzt die erste Wachschicht angetreten. Ohne Unterlass rang Payran mit dem Erinnerungsverlust, versuchte, den Schleier des Vergessens zu zerreißen. Er hatte Wache gestanden – seine Leute waren aufgebracht – Schritte, schnell näher kommend, dann … Payran schnürte es die Kehle zu. Dann war es geschehen.

Keine Ruhe

Sie haben mich umgebracht. Meine eigenen Leute waren es. Ich sehe noch sein Gesicht vor mir: Maylin Fawreak, mein Korporal. Als ich am Boden lag, blutend und sterbend, blickte er auf mich herab. Die Dunkelheit des Todes dräute an den Rändern meiner Wahrnehmung, kroch von allen Seiten unaufhaltsam in die Mitte, um mich dieser Welt zu entreißen. War es Wut in seinem Gesicht? Trauer? Tragik? Es musste einen gravierenden Grund für seine Tat geben, aber welchen? Verdiente ich den Tod? Habe ich einen furchtbaren Fehler begangen? Die gesamte Gruppe gefährdet? Oder war es Heimtücke? Neid? Niedertracht, die Maylin antrieben?

Seri und ich sind gestorben und leben dennoch weiter. Dies muss einen Grund haben. Entweder ewige Strafe, oder Chance auf Vergeltung. Bin ich das Opfer oder der Täter? Schuldig oder unschuldig? Womöglich steckt noch viel mehr dahinter.

Seri sah mich erwartungsvoll an. Das arme Tier, wieso war es in diese Sache hineingezogen worden?

„Wir werden nicht eher ruhen, bis wir es herausgefunden haben, nicht wahr?

Seri bellte bestätigend und mit grimmigem Blick marschierte ich los.

„Es wird sich zeigen, ob wir fortan zu den Guten oder den Bösen gehören.“

Ende?

Hier gibt es noch das Abschlussbild, in dem die Minis besser zu sehen sind. Es ist sicher nicht mein bestes Malergebnis, irgendwie hat die innere Ruhe gefehlt, aber ich bin dennoch ganz zufrieden. Und wer weiß, vielleicht werden Payran und Seri irgendwo in einer meiner Geschichten auftauchen … 🙂