Nerd & Nature

Into the Woods Teil 3

Loszuwandern und die Wildnis zu betreten ist ein besonderes Erlebnis. Sobald sich unter den Füßen nicht mehr die Steine eines Forstweges befinden, sondern Waldboden, ist auch die Stimmung eine ganz andere. Die Atmosphäre ändert sich schlagartig und nach einer Weile ändert sich auch die eigene Wahrnehmung. Hier draußen kommt es auf andere Dinge an, als auf einem Screen Apps zu bedienen …

Das wird zum Beispiel deutlich, wenn sich das Bedürfnis nach einer Pause einstellt. Einfach so auf den Boden setzen? Das geht sicherlich, und habe ich auch schon gemacht, aber gerade bei schlechterem Wetter wäre ein kleiner Shelter nicht schlecht. Mittlerweile habe ich mein Ausrüstungssortiment langsam aber beständig erweitert und nenne einen der grundlegensten Gegenstände im Outdoor-Bereich mein Eigen: ein Tarp. Das jedoch funktional mit Paracord aufzubauen, ist für mich als Anfänger eine erste echte Aufgabe.

In Teil 1 dieser Blogserie habe ich mit dem Outdoor-Thema begonnen und mich zunächst stark am Bushcrafting orientiert. Etliche Stunden der Recherche und Nachforschung später ist mir klar geworden, dass Bushcrafting in Deutschland aus verschiedenen Gründen denkbar schwierig ist. Ich lasse mich seitdem durch das Outdoor-Genre weiter treiben und finde es sehr spannend, wohin mich meine Reise bringt. Allmählich zeigt sich, welche Richtung für mich (vorerst) die richtige ist … 🙂

In Teil 2 spreche ich unter Anderem darüber, warum Waldbaden leider gar nicht so unproblematisch ist, ich Naturerlebnisse dennoch für immens wichtig halte.

In diesem Beitrag geht es um einen paktikablen Tarp-Unterstand. Auf YouTube sieht das alles immer ganz leicht aus … 😀 Mit dem ersten Versuch bin ich nicht so ganz zufrieden gewesen, zeige ihn euch natürlich trotzdem. Dafür ist es mir beim zweiten Mal deutlich besser gelungen.

Das Tarp – eine Vielzweckplane

Eine Campingplane, oder Tarp genannt, ist für Outdooraktivitäten eine echte Empfehlung. Es gibt sehr viele Varianten, unterschiedliche Größen und Farben. Was ist nun empfehlenswert? Nach ausführlicher Recherche hier meine Erkenntnisse:

  • Die flexibelste Größe bietet ein 3×3 Meter Tarp. Damit sind unzählige Aufbauten möglich, oft auch für bis zu zwei Personen. Auch wenn man erstmal mit wenig Aufbauvarianz anfängt, ist die Möglichkeit zu haben, durchaus sinnvoll. Kauft man ein zu kleines Tarp, braucht man später unter Umständen ein zweites, größeres.
  • Nicht zu günstig kaufen. Bei vielen Outdoor-Gegenständen tut es gerade am Anfang auch etwas aus dem eher günstigen Bereich, bis man genau weiß, was man will, braucht und worauf man wert legt. Je nach dem, was man vor hat, braucht es vielleicht auch gar nicht mehr. Beim Tarp hingegen sollte man nicht sparen, da hier Qualität einfach wichtig ist.
  • Viele Abspannpunkte. Auch hier gibt es Unterschiede. Manche Tarps haben nur wenige Ösen oder Schlaufen, was die Möglichkeiten des Aufbaus deutlich reduziert. Es ist daher sehr empfehlenswert, auf reichlich Abspannpunkt beim Tarpkauf zu achen.
  • Einfarbig? Bunt? Tarnmuster? Hier entscheidet allein euer Geschmack. Ich habe mich für ein Woodland-Tarnmuster entschieden, da es sich schön in die Waldumgebung einfügt, und es das ist, was ich will: Teil der Natur werden, kein Fremdkörper.
  • Gewicht und Packmaß? Habt ihr schon früh längere Wanderungen, gar ganze Outdoor-Touren geplant, spielen das Gewicht sowie das Packmaß durchaus eine Rolle und sind Nenngrößen, auf die zu achten sind.

Einfaches Shelter mit kleinem Dach – Versuch 1

Es gibt viele Möglichkeiten ein Tarp aufzubauen, sei es einfach als abgespanntes Schrägdach bis hin zum klassischen A-Frame oder Tippi. Was ich zunächst vor hatte, war ein einfaches Shelter mit einem kleinen Vordach. YouTube sei Dank hatte ich mir einiges hierzu angesehen, es aber in der Wildnis umzusetzen, ist doch noch mal etwas anderes. Beim ersten Ausflug hierzu hat das nicht ganz so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte:

Hier befestige ich gerade das eine Ende des Tarps mit Heringen am Boden. Die Ridgeline habe ich nicht so platziert, damit der beabsichtigte Aufbau herauskommt. Sie durch die Schlaufen zu ziehen und nicht das Tarp drüber zu legen, war im Nachhinein ebenfalls nicht so optimal.
Die Frontansicht; Hier ziehe ich gerade noch einmal den Spannknoten (Topsegelschotsek – der ist genial!) nach. Als Sitzfläche dient eine Plane (Elefantenhaut), aber jetzt merke ich schon, dass nicht das herauskommt, was ich wollte. Mein Vordach ist viel zu groß – warum?
Ich hatte einen klassischen A-Frame aufgebaut. Der ist sicherlich nicht verkehrt, nur nicht das, was ich wollte. Also habe ich die eine Hälfte Teil nach hinten geklappt. Gut dort gesessen sind wir dennoch, allerdings wären wir bei Regen nass geworden …
Spaß an der Sache hatte ich irgendwie trotzdem 🙂

Einfaches Shelter mit kleinem Dach – Versuch 2

Einige Zeit später habe ich abermals meine Sachen gepackt und wollte einen zweiten Versuch starten. Ich hatte mir extra einen Regentag ausgesucht (bei schönem Wetter kann jede/r), vielleicht sollte das auch die notwendige Motivation sein. Ich wusste meinen Fehler beim ersten Mal und mit dem richtigen Platzieren der Ridgeline ging es sofort in die richtige Richtung:

Hier ist mein Aufbau zu sehen, mit leichter Abtarnung. Entdeckt ihr es? 🙂
von der anderen Seite; hier ist es leichter, oder?
Tataa! Da steht es in all seiner Pracht. Vor lauter Begeisterung habe ich die einzelnen Aufbauschritte nicht fotographiert. Nun entstand wie gewünscht ein kleines Vordach, gehalten von zwei Ästen als Stangen (also doch ein wenig Bushcraft 🙂 ), die mit Paracord zur Stabilisierung abgespannt sind. Links und rechts habe ich leichte Tarnung angebracht, wirklich nur wenig und auf die Schnelle, aber die Wirkung war dennoch enorm. Überhaupt fügt sich das Woodland-Tarnmuster ganz gut ein.
Regen? Hier kein Problem, ich saß komplett im Trockenen. Bei Wind wird’s schwieriger, aber da ließe sich dieser Aufbau schnell zum kleinen A-Frame umfunktionieren (die Äste weg, das Dach runterklappen und im Boden befestigen); ein sehr flexibler Aufbau!

Mit diesem zweiten Versuch war ich super-happy! Auch die Knoten haben wieder sehr gut funktioniert, und von denen habe ich separate Fotos gemacht. Die gibt’s aber mal in einem eigenen Beitrag dazu. Hier konnte ich sehr behaglich sitzen, die Natur auf mich wirken lassen und die mitgebrachte Brotzeit verspeisen.

Wie findet ihr diesen Tarp-Aufbau?
Habt ihr eigene Erfahrungen mit einem Tarp

oder wie und wo legt ihr gerne auf einer Outdoor-Tour eine Rast ein?
Sagt es mir gern in den Kommentaren 🙂

In meiner Thermoskanne habe ich immer einen Kaffee dabei. Wenn euch dieser Beitrag gefällt und ihr mich beim Bloggen sowie meinen Touren unterstützen wollt, könnt ihr diese Kanne einmal befüllen:

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Vielen Dank!

Nerd & Nature

Into the Woods Teil 2

Die Reise in Fantasywelten ist eine meiner großen Leidenschaften und wird es vermutlich immer bleiben. Die echte Welt, unsere Erde, möchte ich dabei jedoch nicht aus den Augen verlieren und wie schon in Teil 1 dieser Serie geschieben und gezeigt, möchte ich immer wieder die Nerdkomfortzone verlassen und raus in die Wildnis der Wälder. Seit dem letzten Blogpost hierzu war ich bereits etliche Male unterwegs und es sammeln sich reichlich tolle Fotos. Hierzu werde ich nach und nach thematische Blogposts erstellen, die immer einen bestimmten Aspekt in den Fokus nehmen.

Zusammen mit einigen Bildern spreche ich in diesem Beitrag darüber, wie ich mein erstes Mini-Camp im Wald gestaltet habe, warum Waldbaden leider gar nicht so unproblematisch ist und warum ich Naturerlebnisse dennoch für immens wichtig halte.

Erste Bushcraft-Gehversuche: ein Mini-Camp

Bei meinen Wanderungen zuvor habe ich mich schlichtweg an einen schönen Ort gesetzt und die Umgebung auf mich wirken lassen (sowie mein mitgebrachtes Frühstück … 🙂 ). Nun habe ich mich erstmals ein wenig bemüht, so etwas wie einen Lagerplatz zu gestalten. Es ist sicher nicht viel (und ich wollte auch nicht lange dort bleiben), aber es ist eine kleine Abstellfläche für meine Brotzeitbox und Halterung für meine Thermokanne entstanden, Ablage für meine Füße und ein – ich nenne es mal – Totem für einen Traumfänger. Beim Bushcraften kommt es für mich auf Ideenreichtum an, mit wenig viel zu erreichen. Das Faszinierende ist, dass nach einer Weile Aufenthalt an einem mit einfachstem Mitteln eingerichteter Ort man schon eine Art Bindung dazu aufbaut.

Waldbaden – keine gute Idee?

Kurz erklärt bedeutet Waldbaden das sehr bewuste Wahrnehmen der Umgebung (Wald) mit allen Sinnen. Das reicht in das wichtige Feld Achtsamkeit hinein, und ist grundsätzlich eigentlich ein großartiges Bestreben. Diese Woche hatte ich die Möglichkeit, mich sowohl mit einem befreundeten Förster als auch kurz mit dem hiesigen Jäger auszutauschen. Aus Sicht der Jagd ist das Wandern durch den Wald leider ziemlich problematisch. Während man die Pflanzenwelt mit sorgsamer Vorgehensweise noch gut schonen kann, ist es für die Tiere jedoch eine ziemliche Stressquelle. Die Waldbesuche hätten seit der Pandemie ohnehin massiv zugenommen, was die Tiere im Wald in deutliche Unruhe versetzt hat. Zudem gibt es zum Beispiel Pflichtabschüsse zu absolvieren und gegebenfalls sogar Schadensersatzforderungen an Jäger*innen, wenn Schäden durch Wildtiere überhand nehmen, um nur einige Punkte zu nennen. Und jetzt? Wald ade?

Nein, das ist nicht notwendig. Beispielsweise können alle bestehenden Forststraßen unter konsequenter Anwendung des berühmt-berüchtigten gesunden Menschenverstandes genutzt werden. Das, so der Förster, kennen die Tiere und können gut einschätzen, dass hier keine Gefahr für sie droht. Allerdings gilt es auch hier, sich ruhig zu verhalten (das vergessen viele und ihr glaubt gar nicht, wie weit Geräusche im Wald zu hören sind …). Vielleicht muss es auch nicht jeden Tag und vor allem Nachts (!) sein. Und wie sieht es mit dem puren Querfeldein-Wildniserlebnis aus? Wälder zu betreten ist erlaubt (Ausnahmen bei erlassenem Wegegebot, Naturschutzgebiet, etc.), aber es ist in der Tat ein schwieriger Fall. Jagd und Bushcraft sind leider völlig gegenläufige Dinge und hier gilt es, einen wohl überlegten Kompromiss zu finden. Ich habe weitere gute Verhaltensregeln in Erfahrung gebracht:

  • Schleiche nicht durch den Wald! Geh ruhig aber normal durch den Wald. Warum? Was für uns Menschen leise ist, ist für die Tiere gut zu hören. Hier gilt: Der Freund kommt laut, der Feind leise. Soll heißen, dass die Tiere nicht ganz so in Panik geraten, frühzeitig aufmerksam werden und das Weite suchen können. Das ist lt. Förster ein normaler Fluchtreflex, der die Tiere nicht über die Maßen stresst. Auch beim Lagern / Lager einrichten bekommen die Tiere das früh mit und ziehen sich unbemerkt zurück.
  • Hinterlasse deinen Lagerplatz so, wie du ihn vorgefunden hast. Eigentlich eine Basisregel für alle Outdoor-Aktivitäten: nehmt euren Müll ausnahmslos wieder mit, auch alle Aufbauten, Gestaltungen müssen wieder verschwinden. Ich habe immer eine Mülltüte dabei, nicht nur für meinen Müll, sondern auch für den Müll, den ich so finde …
  • Nachts gehört der Wald den Tieren! Soll heißen nachts durch den Wald laufen geht eigentlich gar nicht. Der Jäger hat mir erzählt, dass er bei einer Ansitzjagd mal jemanden mit Stirnlampe im Schussfeld hatte. Das sind sicherlich exteme Zufälle, aber sehr gefährlich. Selbst wenn man ungesehen durch den Wald stapft, hat man den Jagenden die Jagd in diesem Gebiet gründlich verdorben.
  • Nicht dauerhaft querfeldein gehen, sondern nur punktuell. Ein Kompromiss wäre es, auf den Wanderwegen und Forststraßen in den Wald zu gelangen, und dann nur an einer Stelle mal den Weg ein wenig zu verlassen. Das hat dennoch alle bisher beschriebenen Auswirkungen, aber eben nur an dieser einen Stelle und nicht großflächig in einem größeren Gebiet.
  • Unterholz, Dickungen und dergleichen meiden! Hierhin zieht sich das Wild tagsüber zurück. Sich hier durchzudrücken ist ein no-go und scheucht die Tiere auf. Sie müssen ihren Tagesshelter verlassen, was zusätzlichen Stress bedeutet. Ein Reh kommt auch nicht plötzlich zu dir nach Hause, pflanzt sich auf die Couch und guckt Netflix. 🙂

Sicherlich, der Wald gehört nicht nur den Jäger*innen und der Jagd. Aber als Naturliebhaber*in sollte das Tierwohl durchaus hoch angesiedelt sein, und nicht dem Eigennutz und Egoismus (mir soll es besser gehen, ich will meine Persönlichkeit entwickeln, ich muss mich entspannen, usw. ) zum Opfer fallen. Wald ist kein Konsumgut. Wir sollten Wälder nicht kapitalismusgeprägt wie eine beliebig ersetzbare Sache sehen, sie verbrauchen und vergessen, sondern als überlebenswichtigen Bestandteil unserer Welt verinnerlichen. Der Wald war schon „immer“ da, der Wald und die Tiere können ohne uns leben, wir nicht ohne sie.

Und dennoch: Jede/r sollte unbedingt regelmäßig in die Natur gehen und sie erleben, spüren, atmen. Sie ist es, die den Planeten für uns bewohnbar macht. Schreitet die Entfremdung von Mensch und Natur noch weiter voran, ist vielen in der Folge nicht klar, was es überhaupt durch Nachhaltigkeit und Überdenken von Konsumverhalten sowie Ressourcenverbrauch zu schützen gilt.

Wie findet ihr mein erstes Bushcraft-Mini-Camp? Was denkt ihr über die Pros und Cons von Waldbaden? Sagt es mir gern in den Kommentaren! 🙂

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