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The Last Of Us Part Two – es ist kompliziert

+++ erster Teil spoilerfrei +++

Mit The Last Of Us hat das Entwicklerstudio Naughty Dog 2013 einen sensationellen Spielehit hingelegt. In einem cineastischen Erlebnis begleitet man Joel und Ellie durch eine postapokalyptische Welt, um Dank Ellies einzigartiger Immunität am Ende ein Heilmittel herstellen zu können. Es herrscht ständige Gefahr durch Infizierte und niemandem können sie trauen. Der Verfall von Moral wird immer deutlicher und dramatischer, bis er schließlich die Schmerzgrenze erreicht. The Last Of Us gehört zu den Spielen, bei denen ich nach dem Finale wie gebannt und tief in Gedanken auf die Ending Credits gestarrt habe. Entsprechend begeistert war ich, als The Last Of Us Part Two angekündigt wurden. Am 19.06.2020 erschien der sehnlicht erwartete Nachfolger mit einer neuen Story rund um Ellie und Joel. Kann Part Two den hohen Erwartungen gerecht werden, oder wird es eher The Weird Part von The Last Of Us?

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Naughty Dog hat mit The Last Of Us Part Two wirklich viel richtig gemacht und toll hinbekommen, dennoch polarisiert das Spiel enorm und viele haben teils massive Schwierigkeiten mit den Spielinhalten. Meinungen dürfen auseinandergehen, aber derbe Beschimpfungen und Morddrohungen, wie sie einer Darstellerin und dem Game Director entgegengeschleudert wurden, sind völlig inakzeptabel und verurteile ich scharf. Bevor ich zu meinen Problemen mit dem Spiel komme, will ich die dicken Pluspunkte für das Spiel aufzeigen:

Wunderschöne Apokalypse-Welt

Optisch übertrifft sich das Leveldesign selbst. Hier bekommt man graphisch das wohl derzeit Beste, was aus der PS4 herauszuquetschen ist. Nicht umsonst muss erst einmal eine Daten-CD installiert werden, bevor mit der Spiel-CD dann das Spiel gestartet wird. Aber es lohnt sich: Mit unglaublich hohem, lückenlosen Detailgrad kann Ellie durch verlassene Bürogebäude, Wohnhäuser, Bars, Läden und vieles mehr wandern, die realistischer nicht sein könnten. Hier sucht sie in bekannter Manier nach Brauchbarem, und wirkt von ihrer Körpersprache dynamisch und real. Die Level sind weiterhin wie in Teil 1 schlauchförmig, aber es wurde sich nach Kräften bemüht, dies durch eine Vielzahl von möglichen Laufwegen unaufdringlich zu gestalten. Gleichwohl liegt ständige Beklemmung über allem und über auffindbare Schriftstücke können tragische Einzelschicksale nachvollzogen werden. Die gewünscht düstere, bedrückende Stimmung wird mühelos und glaubhaft transportiert. Hierzu trägt auch die musikalische Untermalung bei, die neben tollen Musikstücken im Stil von Teil 1 auch und vor allem mit Geräuschen in lastender Stille arbeitet. Wenn in Ruinen beständig das Ächzen des Materials widerhallt, läuft einem ein Schauer über den Rücken …

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Die Darstellerinnen und Darsteller

Hier geht Welt/Level-Design mit der hohen Darstellkunst Hand in Hand. Über Motion Capturing und wirklich durchwegs grandiosem Voice Acting entstehen Charaktere, die in ihrer Inzenierung intensiver und realistischer nicht sein könnten. Ashley Johnson verkörpert Ellie mit ihrer ruhigen, aber auch leicht rauen, düsteren Art perfekt (englische Sprachausgabe). Aber auch alle anderen Personen erschienen mir greifbar und natürlich in ihre Darstellung. TLOU2 fühlt sich wie ein interaktiver Film an und teils lange Cutscenes gehen butterweich in den Spielmodus über. Auch hier hat Naughty Dog ein perfektes Ergebnis geliefert.

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KI

Die künstliche Intelligenz ist im Vorfeld ausführlich gelobt worden und in der Tat sagenhaft. Das gilt sowohl für Gegner, als auch BegleiterInnen von Ellie. Feinde durchstöbern Häuser und Außenbereiche, rufen sich Informationen zu, reagieren auf Geräusche, gehen im Kampf in Deckung, versuchen sie zu umrunden – einfach ausgezeichnet. Ellies BegleiterInnen geben ihr Hinweise, untersuchen selbstständig die Gegend, warnen sie vor Feinden und unterstützen natürlich im Kampf. Irrt man eine Weile ziellos umher, kann man sich einen Tipp geben lassen (entweder von einer Begleitperson, oder Ellie hat einen Geistesblitz), um nicht im Spiel festzustecken. Kurzum: die KI ist phänomenal und verleiht allen NPC eine realistische Erscheinung.

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Wie schwer darf es denn sein?

Der Schwierigkeitsgrad ist ebenfall lobend für das Spiel zu erwähnen. Hier kann nicht nur zwischen den üblichen Stufen sehr leicht, leicht, usw. durchgewechselt werden, sondern auch einzelne Spielelemente können in dieser Art und Weise konfiguriert werden. Beispielsweise können Gegner auf „leicht“ gestellt werden, dafür sollen aber wenig Ressourcen gefunden werden. Wie aktiv bzw. aggressiv sollen Ellies BegleiterInnen sein? Diese und noch weitere Inhalte können modular eingestellt werden und versprechen ein immer neues Spielerlebnis. Während des Spiels kann mit einem Neustart der jeweiligen Begegnung der Schwiergkeitsgrad neu justiert werden, was ich großartig finde, um nicht an schweren Stellen in der Story festzustecken. In diesem Zuge sei auch die Barrierefreiheit erwähnt, mit der Spielhilfen für Menschen mit körperlichen Einschränkungen aktiviert werden können.

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In vielen Kritiken gibt es auch zu o.g. Punkten bereits etwas auszusetzen,
aber der Stein des Anstoßes ist ein anderer, und auch ich habe
mit dem Folgenden meine Schwierigkeiten:

Die Story

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Ellie lebt mit Joel in Jackson, einer kleinen Siedlung, in der sich so etwas wie eine Dorfgemeinschaft gebildet hat. Einige Jahre sind seit den Geschehnissen aus Teil 1 vergangen, daher ist Ellie mittlerweile eine junge Frau. Ein dramatisches Ereignis bringt Ellie dazu, Jackson zu verlassen und sich auf einen Rachefeldzug nach Seattle zu begeben. Begleitet wird sie dabei von Dina, einer jungen Frau aus Jackson, die Ellie nahesteht.

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Was sie erleben, ist eine Reise voller Melancholie, Gefahr, ständiger Bedrohung und Gewalt. Im Gegensatz zu Teil 1 ist Ellie älter und somit weitaus agiler und wehrhafter. Kompromisslos erschießt und ermeuchelt sie sowohl Infizierte wie auch Menschen fremder Gruppierungen, die ihr nach dem Leben trachten. Ich habe irgendwann eine gewisse Distanz zu ihr und der Story gespürt, zunächst ohne benennen zu können, warum dem so ist. Erst im letzten Drittel des Spieles ist es mir klar geworden: Es sind Ellies Beweggründe.

Ging es im ersten Teil noch um etwas Gutes (das Heilmittel), und hatte man auf diesem Weg Joel und Ellie Brutalität und Grenzüberschreitungen verziehen (auch wenn sie bitter waren), kann hier das pure Streben nach Rache dem nicht standhalten. Zunehmend fühlt es sich schlechter an, mit Ellie diesen Weg beschreiten zu müssen. Nur zweimal, als die Gewalt wirklich eskaliert war, hat Ellie mit ihren Taten zu kämpfen. Kein einziges Mal zweifelt sie an ihrem Vorhaben, zieht eine andere Lösung in Betracht, möchte sich von der Gewalt abwenden. Der Grund hierfür könnte ein Plottwist sein, auf den ich im spoilerfreien Teil nicht eingehen kann. Dennoch bleibt der fade Beigeschmack bis zum Schluss.

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Zweites großes Problem liegt im Pacing der Story. Viel zu lange Schleich- und Kampfabschnitte liegen zwischen den Storybeats, die ihre Spannung zueinander verlieren. In den Zwischenteilen ist man zwar als SpielerInn sehr aktiv, allerdings in altbekannter Manier. Innovation? Fehlanzeige. In der Story voran geht es allerdings nur quälend langsam. Rückblenden sind toll inszeniert, aber sehr ausschweifend. Das mildert die Intensität und das Mitfiebern in der Hauptstory spürbar und verschenkt Potenzial. Nicht einmal das Finale nimmt Fahrt auf, sondern bremst mit Abschnitten, die für sich betrachtet gut sind, aber mich einfach zu diesem Zeitpunkt gelangweilt haben. Ich wollte das Ende als ein Feuerwerk, den Story Climax in all seiner Pracht, und nicht zum hundersten Mal umherschleichen, looten und Wege freikämpfen.

Ein weiteres Problem für mich war der fehlende Antagonist in der Story. Hier lässt einen die Story in einer Grauzone umherirren, was es zwar einerseits sowohl interessant als auch kompliziert macht, aber andererseits habe ich mich als Spieler orientierungslos und distanziert gefühlt. Letztendlich fehlt die klare Linie, das Bekenntnis des Spiels, sich hinsichtlich der Story klar zu positionieren. Was bleibt, ist ein Mischmasch, ein Für und Wider gleichermaßen, was Ratlosigkeit und auch Frust und Enttäuschung erzeugt hat. Näher kann ich auf diesen Punkt spoilerfrei nicht eingehen.

Fazit

Die Prämisse der Story ist eine Spirale aus Hass, Gewalt und Rache, die viel zu wenig durchbrochen und infrage gestellt wird. Alternativlos muss man sie als SpielerIn erdulden und bis zum Ende durchziehen. Es äußert sich als latente Dauerbelastung des Spielspaßes und ich war am Ende froh, endlich durch zu sein. TLOU2 ist auf technischer und graphischer Ebene grandios, jedoch verhindert die Gestaltung der Story hinsichtlich Pacing, Motiv und Finale eine uneingeschränkte Empfehlung und den Sprung auf eine Stufe mit Teil 1, einem Meisterwerk. Rückblickend habe ich die knapp 30 Spielstunden nicht bereut, dennoch bleibe mich mit traurig-enttäuschten Blick zurück. TLOU2 nicht zu mögen, ist legitim. Man kann es sich jedoch nicht so leicht machen, das Spiel aufgrund enttäuschter Erwartung gänzlich zu verurteilen. Vereinfacht gesagt: Es ist kompliziert.

alle Bilder bzw. Screenshots von https://www.playstation.com/de-de/games/the-last-of-us-part-ii-ps4/

 

Ab hier:

+++ Spoiler +++ Spoiler +++ Spoiler +++ Spoiler +++ Spoiler +++ Spoiler +++ Spoiler +++

… ernsthaft: SPOILER AHEAD! You have been warned. 🙂

 

 

 

Nach einer kurzen Zusammenfassung der Geschehnisse aus Teil 1, erlebt man mit Ellie im Ort Jackson trügerische Ruhe vor dem Sturm und eine beginnende Beziehung mit Dina, die Ellie später anfangs begleiten wird. Früh wechselt die Handlung kurz zur Abby, einer bis dato unbekannten Person, die als Teil einer kleinen Gruppe Joels Aufenthaltsort aufgespürt hat. Ihr Motiv: Rache. Grund: (zunächst) unklar. Dem Spieler / der Spielerin wird ziemlich zu Anfang des Spiels die Kontrolle über Abby gegeben, was mich deutlich irritiert hat. Abby trifft auf Joel und seinen Bruder, und gemeinsam überwinden sie so manche Gefahr, bis dann, nachdem Ellie wieder dazugestoßen ist, Abby ihr wahres Gesicht zeigt und mit ihren Leuten Joel und Ellie überwältigt. Mit zelebrierter Gewalt und Brutalität wird Joel schließlich von Abby umgebracht. Sie scheint einen schwerwiegenden Grund zu haben, den man zu diesem Zeitpunkt freilich nicht erfährt, was Abby klar als Antagonistin positioniert. Auch wenn Joels unwürdiger Tod bitter ist, hätte ich mit diesem Storyhook noch gut leben können. Aber es wird kompliziert …

Abby kam mit Rache und Hass im Herzen nach Jackson, Ellie zieht nun in selber Manier los, um sich, richtig, zu rächen. Hängt dieser niedere Beweggrund wirklich über allem und jedem im Spiel? Sehnlichst habe ich jetzt schon (und das war sehr früh im Spiel) das hehrere Ziel aus Teil 1 vermisst. Bei Teil 2 regiert nur Hass und Rache als düstere Motivation. Stündlich ist bei mir das Verständnis für Ellies Voranschreiten verschwunden. Töten, bevor sie selbst getötet wird – nur, um letztendlich jemanden ermorden zu wollen? Der Kontrast zu Teil 1: Joel wird bis zum Äußersten, bis an die Schmerzgrenze in seinen Taten getrieben, aber für ihn das ultimative Opfer zu bringen – Ellie höchstselbst – das schafft er auch angesichts eines Heilmittels für die gesamte Menschheit nicht. Und es war ein unglaublich gutes Gefühl, doch noch zu spüren, dass nicht die völlige Verrohung und Entmenschlichung gebilligt wird, und als Joel mit der bewusstlosen Ellie auf dem Arm aus dem Krankenhaus zu fliehen. Ein episches Ende. Dass TLOU2 anders laufen wird, ahnt man immer stärker, je näher man dem Finale kommt. Einen von Rache und Hass getriebenen Plot ist heikel und verlangt eigentlich, dass irgendwann stark reflektiert und umgedacht wird. Das erfolgt leider nicht. Erst im Finale, der wirklich fast letzten Szene, durchbricht Ellie den Teufelskreis. Glaubwürdig ist das zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr.

Der Aufenthalt in Seattle ist in drei Tage strukturiert, was ich gut finde und eine langsame Erzählweise abbildet. Wie erwähnt stimmt das Pacing der Story nicht (sh. oben). Man muss sich mit Ellie auf der Seite der Guten wähnen und durchlebt die Tage in Seattle, bis man wie beabsichtigt auf die vermeintlich böse Abby stößt – und die Handlung wie zu Anfang des Spieles angeteasert nun vollständig und für sehr lange zu ihr wechselt. „You killed all my friends“, schreit Abby Ellie entgegen und als SpielerIn bekommt man im Folgenden aus Abbys Sicht schonungslos vorgehalten, welch Gräuel man da eigentlich als Ellie tun musste (musste! Es gab keine Alternative). Entsprechend schlecht und schlechter fühlt man sich beim Spielen.

In der Zeitlinie der Story springt man zurück, um nun die vollen drei Tage in Seattle aus Abbys Sicht zu erleben. Das ist zu Anfang noch niederschmetternd gut, weil man gezeigt bekommt, dass Abby nicht einer Gruppe Irrer entspringt, sondern Leuten, die ähnlich denen in Jackson sich ein Leben in der veränderten Welt aufgebaut haben. Und ja, Ellie hat Abbys Freunde umgebracht, das wird mit jeder weiteren Spielstunde schmerzhaft deutlich. Abby begleitet man durch den Alltag, wohl wissend, dass Ellie als Racheengel im Anmarsch ist. Dass die beiden Frauen aufeinandertreffen, steht also schon fest, nur wie es damit weitergeht, liegt in vieler Spielstunden-Ferne. Man folgt Abbys eigener Welt und Story, was sich zunehmend wie ein eigenes Spiel im selben Setting anfühlt. Ellie gerät dadurch zunehmend in Vergessenheit. Immerhin: Abby ist sehr tough und entsprechend hart in ihrem Vorgehen und Denkweise, bekommt dann aber Zweifel, zwei ihrer vermeintlichen Feinde (eine dritte Fraktion) im Stich zu lassen, die ihr zuvor das Leben gerettet haben. Abby beginnt sich zaghaft zu wandeln, etwas, was viel deutlicher hätte erfolgen dürfen und bei Ellie sehnlichst vermisst wird. Abbys mutmaßlichen Transgender-Hintergrund begrüße ich ausdrücklich und dieser Aspekt stellt in keiner Weise ein Problem für mich dar.

+++ Triggerwarnung für die folgenden vier Screenshots: Homophobie, Transphobie, Hass, Morddrohung +++

 

 

Abby-Darstellerin Laura Baily und Game Designer Neil Druckman wurden aufgrund der Spielinhalte massiv beschimpft und bedroht – ein untragbares, inakzeptables Verhalten.

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(Abstand zu den Screenshots, um zum Weiterlesen weit genug runterscrollen zu können)

Ein wirklich gelungenes Finale kann noch die Rettung sein, aber leider vergibt TLOU2 auch diese Chance. Mal steuert man Ellie gegen Abby, dann Abby gegen Ellie. Beide Seiten hat man ausführlich kennengelernt und wenn Ratlosigkeit als Gefühl bei den SpielerInnen beabsichtigt war, ist dies gelungen. Sicherlich, man soll für beide Seiten Verständnis haben, aber ohne eine klare Positionierung der Story habe ich mich sehr distanziert und unbeteiligt gefühlt. Selbst konnte man nichts entscheiden, das tat das Spiel. Es wurde ein Stück weit gleichgültig, wer nun letztendlich gewinnt, denn beide haben ja nachvollziehbare Gründe, und beeinflussbar ist es nicht.

Nach dem ersten Finalmoment geht es noch weiter: Monate sind plötzlich vergangen, man erlebt Ellie und Dina mit ihrem Kind (Dina war schwanger beim Aufbruch aus Jackson) auf einer Farm mit so etwas wie einem beginnenden Familienleben. Das wäre ein wundervolles Ende gewesen – aber das wird weder den Characteren, noch den SpielerInnen gegönnt. Ellie leidet unter Joels brutalem Tod (was einerseits plausibel ist, aber ca. die Hälfte des Spieles hat sie kein Problem damit, zu erwürgen, erstechen, erschießen, gern auch mit markigem Kommentar auf den Lippen), und als Thommy (Joels Bruder) auftaucht und von einem möglichen Aufenthaltsort von Abby spricht, sieht Ellie die einzige Chance darin, Ruhe und Frieden zu finden, in dem sie -wieder- aufbricht, um Abby zu töten (?!). Mord als „Behandlung“ einer Joel-PTSD? Furchtbar. Wieder kämpft sie sich durch Infizierte und Menschen, diesmal im John-Rambo-Kommandounternehmen-Gedenkstil, um Abby -wieder- zu stellen. Das Spiel war für mich längst zu Ende und ich bin diesen Teil der Story überhaupt nicht mehr mitgegangen.

Es kommt zum finalen Kampf der beiden, bei dem Ellie schlussendlich die Oberhand gewinnt, es aber nicht fertig bringt, Abby zu töten. Nach all dem, was sie auf sich genommen hat, unzählige weitere (!) Menschen auf ihrem abermaligen Racheweg umgebracht hat, schafft sie es nicht, diese letzte Tat zu vollbringen, die in Ellies Welt die Legitimation dafür war. Abby flüchtet, Ellie kehrt zur Farm zurück, nur um festzustellen, dass Dina und ihr Kind fort sind. Ellie bleibt also nicht einmal das als Halt. Sie hat alles verloren und nichts gewonnen – ein völlig ernüchterndes, unbefriedigendes Ende.

Für mich hat das Spiel auf der Farm geendet. Ellie hat Abby in ihrer ersten Finalbegegnung ziehen lassen und richtet sich nun zusammen mit Dina ein trautes Heim ein und der Schlussakkord hätte einsetzen müssen, als Ellie mit Dinas Kind auf dem Traktor sitzt und auf den von wundervoll orange-roten Farben erfüllten Sonnenuntergang blickt. Damit hätte man den Controller mit wenigstens ein klein wenig Zufriedenheit weglegen können.

 

 

2 Gedanken zu „The Last Of Us Part Two – es ist kompliziert“

  1. Finde deine Review klasse. Teile nicht in ALLEN Punkten deine Meinung, aber du begründest alles soweit schlüssig, sachlich, und nachvollziehbar (was man in vielen Reviews zu diesem Spiel ja leider vermisst).

    Möchte allerdings auf ein paar Punkte eingehen 🙂

    1) Ob Abby Transgender-Hintergrund hat, oder nicht, spielt einfach keine Rolle und word mWn nicht im Spiel thematisiert.

    2) Rache als Hauptmotivation: Ist simpel, aber funktioniert fast immer. Der Unterschied zwischen Ellie und Abby ist: Abby hatte ihre Rache schon, und will eigentlich jetzt loslassen können, aber Ellies (von Rache getriebenes) Handeln zwingt Abby dazu, wieder in diese Dunkelheit zu verfallen – leider. Ich schätze das ist die Kernbotschaft des Spiels: Eine einfach Gewalttat kann zu einer Endlosspirale von Gewalt führen. So wird jede Tat, die Rache des nächsten entfachen und ihn zu einer neuen Tat bewegen, usw. Es ist hart und dauert lang, bis man da endlich ausbrechen kann. Und das bringt mich zu

    3) TLOU2 ist die perfekte Konsequenz aus Joels finale Entscheidung in Teil 1. Und das finde ich stark. So sehr ich Joel als Charakter wirklich mag, ich kann nicht drüber hinwegsehen, was er der Menschheit und auch den Fireflies angetan hat. Zwar für Ellie, aber im Grunde aus egoistischen Motiven. Ich habe das Ende von TLOU 1 geliebt, aber dass es Konsequenzen haben würde, war abzusehen. Und dazu gehört eine massiv gestörte Beziehung zwischen Ellie und Joel aber auch die zahlreichen durch Joels Handeln zerstörten und veränderten Schicksale.

    4) Ellie musste mMn nochmal losziehen. Für Abby war die Sache erledigt. Sie konnte loslassen, ohne Ellie zu töten. Aber Ellie hatte es noch nicht geschafft. Dass Rache nicht hilft, einen Verlust zu verarbeiten, dürfte jedem klar sein, aber wenn es dich direkt betrifft und du nicht mehr rational, sondern rein emotional und hassverblendet denken kannst, dann vergisst man diese Klarheit – schätze ich. Es war also nötig, dass Ellie noch etwas zu Überwinden hatte. Dass sie danach n9ch mehr verloren hat, ist mMn auch wieder nur die logische Konsequenz.

    Jedenfalls, wie gesagt, schöne Review. Tut gut, von jemandem zu lesen, der das Spiel gespielt und auch kritisch betrachtet hat.

    Mich würde noch deine Bewertung interessieren, wenn du sowas machst!

    Gruß Justin

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Justus,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar! Bzgl. Abbys Geschlecht wird nicht weiter thematisiert, was ich sehr gut finde. Man kann sich seine eigenen Gedanken dazu machen, relevant ist es nicht. Die Endlosspirale von Gewalt und Rache wird schlüssig dargestellt, das stimmt. Joels finale Entscheidung in Teil 1 muss Konsequenzen haben. Sich von einem beliebten Charakter zu trennen, ist bitter, aber in Joels Fall glaubwürdig. Dass Abby mit ihrer Rache mehrere Jahre aufwendet, Joel aufzuspüren, zeigt, dass ihre Rachsucht schon sehr tief geht. Die gestörte Beziehung von Ellie und Joel ist richtig gut abgebildet. Ich persönlich hätte insgesamt einen anderen Aufbau der Story bevorzugt. Aber: TLOU2 versteht sich als Drama, nicht als spannungsgeladener Thriller, und das ist wohl der entscheidende Punkt.

      Man kann stundenlang über das Spiel reden, was ja eigentlich auch für das Spiel spricht. 😉 So etwas wie eine eigene Bewertung habe ich gar nicht. 🙂 Freut mich auf jeden Fall, wenn dir die Review gefallen hat!

      VG
      Kilian

      Liken

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