Rollenspiel

Der Abstieg ist beendet: Baldur’s Gate – Descent into Avernus

Im Oktober 2019 (in der Prä-Corona-Welt!) hatte ich bereits über den DnD-Kampagnenband Baldur’s Gate – Descent into Avernus kurz berichtet und ein wenig hineingeblättert. Damals hatten wir auch die Kampagne in einer Tischrunde zu spielen begonnen – und konnten nicht ahnen, dass es sich Dank der Pandemie fast drei Jahre hinziehen würde. Jetzt sind wir durch mit dem Abstieg in die Hölle und auch wenn es mich in den Fingern juckt, will ich spoilerfrei mit einem kleinen Resümee bleiben. Lohnt es sich, die Geschichte zu erleben?

Der Einstieg

Es spoilerfrei zu halten, wird nicht leicht angesichts der Ruckler und Längen in der Story, die bei uns am Spieltisch entstanden sind. Über die Aufmachung habe ich in meinem damaligen Blogpost berichtet (hier nachzulesen) und ja, das Buch hat bzgl. Material tadellos allem Geblätter Stand gehalten. Der Inhalt allerdings nicht. Dabei geht es eigentlich ganz gut los.

Der vorgeschlagene Einstieg ist kurz und kompromisslos, was zwar besser ist als Nichts, schon aber etwas plump daherkommt. Wer einfach losspielen will, ist damit gut beraten, wer jedoch intrinsische Motivation InCharacter verspüren möchte, bekommt jetzt schon einen ersten ernüchternden Dämpfer. Als Spielleitung tut man gut daran, den vorgegebenen Holzhammer beiseite zu legen, und die Spielfiguren geschmeidiger ins Abenteuer zu führen. Aber ein zweiter, weitaus größerer Holzhammer wird noch kommen …

Die Stadt Baldur’s Gate kommt gut bespielbar daher, lediglich eine City Map hätte noch dabei sein dürfen. Die fehlt, denn der Spielanteil in der berühmt-berüchtigten Stadt der Forgotten Realms ist eher gering. Schade eigentlich, denn rückblickend, war das für mein Empfinden der schönste und interaktivste Part. Dieser Storyblock hat einen guten Spannungsbogen, bietet Kämpfe, Social Encounter und mündet in eine große Entdeckung/Aufklärung. Rückblickend betrachtet, hätten wir es auch bei diesem Part mit etwas mehr Ausführlichkeit belassen können. Mit wenigen Anpassungen in der Story würde das übrigens auch gut funktionieren, denn Baldur’s Gate: Descent into Avernus liefert im Anhang wirklich reichlich Informationen über die Stadt und Interaktionsmöglichkeiten, mit denen sich gut eine Kurzkampagne spielen lässt. Das reichlich zur Verfügung stellen des Spielmaterials zu Baldur’s Gate wird durch die Tatsache ad absurdum geführt, dass es – Achtung, Mini-Spoiler – nach Verlassen der Stadt im Rahmen der Gesamtkampagne nie mehr dorthin zurückgeht. Hält man sich jedoch zu lange dort auf, wird es später noch schwerer, die Spieler*innencharaktere für den weiteren Verlauf zu begeistern, den der sieht etwas ganz anderes vor, als sich in der Stadt herumzutreiben.

Schluss mit dem Schabernack: Ab nach Avernus

Es ist kein Spoiler, wenn im Titel der Kampagne verkündet wird, dass es um einen Abstieg auf die erste Ebene der Hölle geht. Dorthin wird die Gruppe gelotst und es ist ganz selbstverständlich, dass sie sich im besten Gimli-Gedenk-Stil („Den Tod als Gewissheit? Geringe Aussicht auf Erfolg? Worauf warten wir noch?“) in den Höllenschlund begeben. Größter Kritikpunkt von Manchen aus meiner Runde war hier die fehlende Motivation für die Spielfiguren, genau dies zu tun. Vorgegeben wird hier kaum etwas (außer das indirekte „XY ist in Not und Held*innen machen sowas“), es bleibt also nur mit viel Fleißarbeit, sich als DM etwas Stimmiges einfallen zu lassen. Nicht nur etwas Charakterspezielles, sondern auch Generelles. Bei den dargelegten Plothooks sind die Spieler*innen immer nur Zaungast und sollen sich ein Schicksal zu Eigen machen, welches absolut nicht ihres ist. Spielt man so manche Figur plausibel aus, besteht eine gute Chance, dass das Abenteuer an diesem Punkt endet. Denn spätestens jetzt wird das harte Railroading ziemlich deutlich: Entweder geht es da weiter, oder wir spielen etwas anderes.

Avernus – erste Ebene der Langeweile

Bevor sich die Gruppe in die Wastelands von Avernus stürzen muss – äh das natürlich gerne völlig aus freien Stücken tut – kommt noch ein Part, den ich aus spoilertechnischen Gründen nebulös halte. Grundsätzlich fand ich die Idee und die Story dahinter auch eigentlich ganz spannend, und spätestens hier hätte die Geschichte schon hier irgendwie ihren Höhepunkt und Ende erleben können. Stattdessen wird die Gruppe weiterbugsiert und darf sich nun, in Avernus angekommen, erstmals etwas freier bewegen. Juhu, endlich fröhliches Erkunden! Erkunden? Fröhliches Erkunden einer Höllenebene? Von der nahezu jeder Charakter eigentlich nie hinwollte und nur so schnell wie möglich wieder weg will? Wurde zuvor kein guter persönlicher Grund in die Story eingebaut, wirkten die Encounter und Stationen wie abzuarbeitendes Pflichtprogramm und ziehen das Ganze in die Länge. Spannungsbogen? Fehlanzeige. Ich habe hier etliches rigoros auf das Wesentliche reduziert, auch die teils quälend großen Dungeons eingedampft, sodass wenigstens Storyfortschritt zu spüren ist. Ein eigentlich optionaler Encounter hat sich als lustigster und interaktivster herausgestellt. Ein optionaler Encounter. Herrje …

Finale

Bei der Gestaltung des Finales ist man als DM erfreulich frei in der Gestaltung. Hier ist das Abenteuer endlich von der Eisenbahn abgesprungen und gibt der Spielleitung freie Hand. Mehrere Möglichkeiten werden aufgezeigt, die angenehm unterschiedlich sind und dazu anregen, eine eigene zur Gruppe passende Mischung zu kreiren. So haben wir es auch gemacht, was immerhin zu einem fulminanten Finale für uns geführt hat.

Fazit

Baldur’s Gate: Descent into Avernus ist in weiten Teilen ausgesprochen railroadig und schafft es letztendlich nicht, die Spieler*innencharaktere InGame wirklich an die Story zu binden. So durchläuft die Gruppe die Geschichte, weil sie eben gespielt wird. Hier müsste der/die DM kräftig eingreifen, zu viel für ein Kaufabenteuer in diesem Umfang, finde ich. Es gibt einzelne gute Passagen und Ideen. Das anfängliche Kapitel in Baldur’s Gate ist in sich gut geschlossen und bietet sich zusammen mit den reichlich Informationen im Anhang an, mit etwas Modifikation als Kurzkampagne zu spielen. Alles Weiterführende wirkt oft künstlich in die Länge gezogen und das Abenteuer schafft es aus eigener Kraft nicht, die Spielfiguren mit der Story zu verbinden. Bei der Gestaltung des Finales bekommt die Spielleitung freie Hand, was sich gut anfühlt. Damit lässt sich ein zur Gruppe und dem individuellen Verlauf der Geschichte passender Schluss gestalten. Die Freude über den Triumpf ging Hand in Hand mit dem erleichternden Gefühl, dass es endlich vorbei ist. Das klingt jetzt etwas hart, aber angesichts dessen, dass ich es wohl nie mehr spielen werde, vielleicht doch nicht.

Wie ging es euch mit Baldur’s Gate: Descent into Avernus? Großer Spaß oder großer Frust? Sagt es mir gern in den Kommentaren 🙂

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Nerd & Nature

Into the Woods Teil 3

Loszuwandern und die Wildnis zu betreten ist ein besonderes Erlebnis. Sobald sich unter den Füßen nicht mehr die Steine eines Forstweges befinden, sondern Waldboden, ist auch die Stimmung eine ganz andere. Die Atmosphäre ändert sich schlagartig und nach einer Weile ändert sich auch die eigene Wahrnehmung. Hier draußen kommt es auf andere Dinge an, als auf einem Screen Apps zu bedienen …

Das wird zum Beispiel deutlich, wenn sich das Bedürfnis nach einer Pause einstellt. Einfach so auf den Boden setzen? Das geht sicherlich, und habe ich auch schon gemacht, aber gerade bei schlechterem Wetter wäre ein kleiner Shelter nicht schlecht. Mittlerweile habe ich mein Ausrüstungssortiment langsam aber beständig erweitert und nenne einen der grundlegensten Gegenstände im Outdoor-Bereich mein Eigen: ein Tarp. Das jedoch funktional mit Paracord aufzubauen, ist für mich als Anfänger eine erste echte Aufgabe.

In Teil 1 dieser Blogserie habe ich mit dem Outdoor-Thema begonnen und mich zunächst stark am Bushcrafting orientiert. Etliche Stunden der Recherche und Nachforschung später ist mir klar geworden, dass Bushcrafting in Deutschland aus verschiedenen Gründen denkbar schwierig ist. Ich lasse mich seitdem durch das Outdoor-Genre weiter treiben und finde es sehr spannend, wohin mich meine Reise bringt. Allmählich zeigt sich, welche Richtung für mich (vorerst) die richtige ist … 🙂

In Teil 2 spreche ich unter Anderem darüber, warum Waldbaden leider gar nicht so unproblematisch ist, ich Naturerlebnisse dennoch für immens wichtig halte.

In diesem Beitrag geht es um einen paktikablen Tarp-Unterstand. Auf YouTube sieht das alles immer ganz leicht aus … 😀 Mit dem ersten Versuch bin ich nicht so ganz zufrieden gewesen, zeige ihn euch natürlich trotzdem. Dafür ist es mir beim zweiten Mal deutlich besser gelungen.

Das Tarp – eine Vielzweckplane

Eine Campingplane, oder Tarp genannt, ist für Outdooraktivitäten eine echte Empfehlung. Es gibt sehr viele Varianten, unterschiedliche Größen und Farben. Was ist nun empfehlenswert? Nach ausführlicher Recherche hier meine Erkenntnisse:

  • Die flexibelste Größe bietet ein 3×3 Meter Tarp. Damit sind unzählige Aufbauten möglich, oft auch für bis zu zwei Personen. Auch wenn man erstmal mit wenig Aufbauvarianz anfängt, ist die Möglichkeit zu haben, durchaus sinnvoll. Kauft man ein zu kleines Tarp, braucht man später unter Umständen ein zweites, größeres.
  • Nicht zu günstig kaufen. Bei vielen Outdoor-Gegenständen tut es gerade am Anfang auch etwas aus dem eher günstigen Bereich, bis man genau weiß, was man will, braucht und worauf man wert legt. Je nach dem, was man vor hat, braucht es vielleicht auch gar nicht mehr. Beim Tarp hingegen sollte man nicht sparen, da hier Qualität einfach wichtig ist.
  • Viele Abspannpunkte. Auch hier gibt es Unterschiede. Manche Tarps haben nur wenige Ösen oder Schlaufen, was die Möglichkeiten des Aufbaus deutlich reduziert. Es ist daher sehr empfehlenswert, auf reichlich Abspannpunkt beim Tarpkauf zu achen.
  • Einfarbig? Bunt? Tarnmuster? Hier entscheidet allein euer Geschmack. Ich habe mich für ein Woodland-Tarnmuster entschieden, da es sich schön in die Waldumgebung einfügt, und es das ist, was ich will: Teil der Natur werden, kein Fremdkörper.
  • Gewicht und Packmaß? Habt ihr schon früh längere Wanderungen, gar ganze Outdoor-Touren geplant, spielen das Gewicht sowie das Packmaß durchaus eine Rolle und sind Nenngrößen, auf die zu achten sind.

Einfaches Shelter mit kleinem Dach – Versuch 1

Es gibt viele Möglichkeiten ein Tarp aufzubauen, sei es einfach als abgespanntes Schrägdach bis hin zum klassischen A-Frame oder Tippi. Was ich zunächst vor hatte, war ein einfaches Shelter mit einem kleinen Vordach. YouTube sei Dank hatte ich mir einiges hierzu angesehen, es aber in der Wildnis umzusetzen, ist doch noch mal etwas anderes. Beim ersten Ausflug hierzu hat das nicht ganz so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt hatte:

Hier befestige ich gerade das eine Ende des Tarps mit Heringen am Boden. Die Ridgeline habe ich nicht so platziert, damit der beabsichtigte Aufbau herauskommt. Sie durch die Schlaufen zu ziehen und nicht das Tarp drüber zu legen, war im Nachhinein ebenfalls nicht so optimal.
Die Frontansicht; Hier ziehe ich gerade noch einmal den Spannknoten (Topsegelschotsek – der ist genial!) nach. Als Sitzfläche dient eine Plane (Elefantenhaut), aber jetzt merke ich schon, dass nicht das herauskommt, was ich wollte. Mein Vordach ist viel zu groß – warum?
Ich hatte einen klassischen A-Frame aufgebaut. Der ist sicherlich nicht verkehrt, nur nicht das, was ich wollte. Also habe ich die eine Hälfte Teil nach hinten geklappt. Gut dort gesessen sind wir dennoch, allerdings wären wir bei Regen nass geworden …
Spaß an der Sache hatte ich irgendwie trotzdem 🙂

Einfaches Shelter mit kleinem Dach – Versuch 2

Einige Zeit später habe ich abermals meine Sachen gepackt und wollte einen zweiten Versuch starten. Ich hatte mir extra einen Regentag ausgesucht (bei schönem Wetter kann jede/r), vielleicht sollte das auch die notwendige Motivation sein. Ich wusste meinen Fehler beim ersten Mal und mit dem richtigen Platzieren der Ridgeline ging es sofort in die richtige Richtung:

Hier ist mein Aufbau zu sehen, mit leichter Abtarnung. Entdeckt ihr es? 🙂
von der anderen Seite; hier ist es leichter, oder?
Tataa! Da steht es in all seiner Pracht. Vor lauter Begeisterung habe ich die einzelnen Aufbauschritte nicht fotographiert. Nun entstand wie gewünscht ein kleines Vordach, gehalten von zwei Ästen als Stangen (also doch ein wenig Bushcraft 🙂 ), die mit Paracord zur Stabilisierung abgespannt sind. Links und rechts habe ich leichte Tarnung angebracht, wirklich nur wenig und auf die Schnelle, aber die Wirkung war dennoch enorm. Überhaupt fügt sich das Woodland-Tarnmuster ganz gut ein.
Regen? Hier kein Problem, ich saß komplett im Trockenen. Bei Wind wird’s schwieriger, aber da ließe sich dieser Aufbau schnell zum kleinen A-Frame umfunktionieren (die Äste weg, das Dach runterklappen und im Boden befestigen); ein sehr flexibler Aufbau!

Mit diesem zweiten Versuch war ich super-happy! Auch die Knoten haben wieder sehr gut funktioniert, und von denen habe ich separate Fotos gemacht. Die gibt’s aber mal in einem eigenen Beitrag dazu. Hier konnte ich sehr behaglich sitzen, die Natur auf mich wirken lassen und die mitgebrachte Brotzeit verspeisen.

Wie findet ihr diesen Tarp-Aufbau?
Habt ihr eigene Erfahrungen mit einem Tarp

oder wie und wo legt ihr gerne auf einer Outdoor-Tour eine Rast ein?
Sagt es mir gern in den Kommentaren 🙂

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