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German Comic Con Munich 2019

Die German Comic Con (GCC) ist eine Veranstaltungsreihe der Cool Conventions GmbH, die bis jetzt in Dortmund, München und Berlin stattfindet. In Dortmund gastiert die GCC sogar zweimal im Jahr (Frühjahr und Winter). Am Wochenende des 15./16. Juni fand die GCC 2019 in München statt. War letztes Jahr noch das MOC der Ort der Veranstaltung, ist sie dieses Jahr ins nahe gelegene Zenith + den dazugehörenden Kohlebunker umgezogen. Im MOC wurden drei der insgesamt vier kleinen miteinander verbundenen Hallen verwendet, im Zenith, eine Halle, rückt alles zwangsläuft näher zusammen. Kann sich die GCC als nerdige Veranstaltung im süddeutschen Raum weiter etablieren, oder gibt es noch zu viele Unstimmigkeiten? Und wie hat sich der Locationwechsel ausgewirkt?

Comic Con Munich 2019
Comic Con Munich 2019

Die Anfahrt

Sowohl das MOC als auch das Zenith sind sehr gut sowohl mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, als auch mit dem Auto erreichbar. Während es im MOC eine Tiefgarage gibt, kann das Zenith einen Kiesparkplatz vorweisen. Gegen eine Gebühr von 5 € durfte man hier den ganzen Tag parken. Glücklicherweise gab es Platzeinweiser, sonst wäre die Parksituation auf dem unmarkierten Gelände sicherlich ein Desaster. So aber fand jeder seinen Platz und konnte auch sicher sein, wieder gut abfahren zu können. Die Straße zum Parkplatz führt allerdings zwischen Zenith und Kohlebunker hindurch, was später beim Verlassen des Geländes erhöhte Vorsicht benötigt, da die BesucherInnen zwischen beiden Gebäuden rege hin und herwechseln. Das Parken in der MOC-Tiefgarage ist komfortabler, wo hingegen der Kiesparkplatz eher Festival-Feeling auslöst. Hier geht der erste Pluspunkt an das MOC, nicht nur wegen der aufgeräumten Tiefgarage, sondern auch, weil die Zufahrt nicht mitten durch das Veranstaltungsgelände führt.

Kurz vor dem Wochenende wurde verkündet, dass die Vorverkaufstickets für Samstag ausverkauft waren. Wie wird es jetzt in der Haupthalle unerträglich voll werden?

Comic Con Munich 2019

Rein ins Getümmel

Die Einlasskontrolle ging ausgesprochen zügig und unkompliziert vonstatten. Die Waffenkontrolle der Cosplayer war separat gehalten und behinderte den Besucherstrom nicht. Es gab einen kurzen Blick in Taschen, ein schneller Scan des Tickets und schon war man drin – klasse! Das Zenith ist nicht die größte Halle und jetzt wurde jeder Meter gebraucht. Die Aussteller und Verkaufsstände wurden so angeordnet, dass drei große Gassen der Länge nach durch die Halle führten, und etliche Wege der Breite nach. So wurde der Platz optimal bis zur Stirnseite genutzt, an der sich die Main Stage befand.

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Die Nähe der Hallen täuscht: Dazwischen verläuft die Zufahrtsstraße zum Parkplatz.
Comic Con Munich 2019
Die schwarze Wand hinten trennt die Main Stage von der Halle ab.

Zur Main Stage führten Stufen hinauf und mit schwarzen Tüchern wurde die Sicht in der Breite blockiert. Durch die erhöhte Lage und die Tuchwände wurde die Main Stage zwar vom Trubel der Halle etwas abgeschirmt, musste aber auch bei zu regem Interesse geschlossen werden. Immerhin gab es an einer Seite eine Leinwandübertragung, um auch außerhalb des abgegrenzten Bereiches das Geschehen auf der Bühne verfolgen zu können.

Der abgegrenzte Aufbau hatte natürlich ermöglicht, dass beispielsweise für das Panel mit Lena Heady nochmal extra kassiert werden konnte: Satte 15 € musste derjenige hinlegen, der bei der Gesprächsrunde mit dem Game-of-Thrones-Star dabei sein wollte. Über die Kosten für Autogramme, Photo Shoot, etc. kann man geteilter Meinung sein (variiert von 25 € bis ca. 100 €) und es scheint noch halbwegs legitim, hierfür gesondert zu bezahlen. Für ein Panel jedoch empfand ich die Extrakosten definitiv nicht gerechtfertigt.

Comic Con Munich 2019
Auch von „unten“ konnten man über den Screen das Geschehen auf der Bühne mitverfolgen.

Ich habe am The Walking Dead Panel mit Laurie Holden, Chad L. Coleman und Addy Miller teilgenommen. Es wurde angenehm moderiert und es gab erfreulich viel zeitlichen Spielraum für Fragen aus dem Publikum. Die Technik als solche und deren Einsatz war tadellos.

Comic Con Munich 2019
v.r.n.l.: Chad L. Coleman, Laurie Holden und Addy Miller

Hinsichtlich der Aussteller / Artists gab es eine gute, abwechslungsreiche Auswahl. Von A bis Z war hier alles vertreten, seien es Bilder, Comics, Spiele, Kleidung oder Merchandise aller Art. Die Stände waren schön und einladend gestaltet und luden zum Verweilen ein. Aber auch bei gemächlichem Rundgang und mehrmaligem Stöbern im Angebot stellt man fest: Viel ist es insgesamt dennoch nicht. Immerhin: Da sich alles in einer Halle befand, war die Gesamtatmosphäre überall spürbar und weniger ausgedünnt wie im MOC. Dieser Pluspunkt geht an das Zenith.

Im zweiten Gebäude, dem Kohlebunker, waren die Stars untergebracht und man konnte Autogramme und Photo Shoots kaufen. Hier gab es sonst praktisch nichts und im Vergleich zum munteren Treiben in der Haupthalle herrschte hier schon fast beschauliche Stille. Wollte man nicht gezielt zu jemanden gehen, reichte hier ein einmaliger Durchgang.

Comic Con Munich 2019

Offizielles Programm fand nur auf der Main Stage statt, daher bewahrheitete sich meine Vermutung, dass die GCC Munich sicherlich schön ist, aber für mein Empfinden keinesfalls zwei Tage oder gar eine längere Anreise rechtfertigt. Aber vielleicht mehr als jede Comic Con profitierte auch die GCC Munich von einer ganz wichtigen Personengruppe: den Cosplayern.

„Können wir ein Foto machen?“

Ganz ehrlich: Ich liebe euch Cosplayer! Die GCC Munich kann sich glücklich schätzen, dass zahlreiche, wirklich tolle Cosplayer erschienen sind, als Walking Act fungierten damit deutlich zur Attraktivitiät der Veranstaltung beitrugen. Ohne sie wäre das offizielle Programm einfach zu wenig. Für mich sind Cosplayer immer ein echtes Highlight und nur zu gerne frage ich nach Fotos. Wünscheswert wäre eine erhöhte Aufmerksamkeit und Wertschätzung seitens der Veranstalter; nur ein Cosplay Contest gegen Ende des Tages erscheint etwas wenig.

Das leibliche Wohl

Natürlich kommt irgendwann Hunger und Durst, und ein nicht unwesentlicher Punkt für eine Veranstaltung ist das Catering. Gleich vorweg: Im MOC war es deutlich besser. Im Zenith gibt es nicht wie im MOC kleine Snackrestaurants, sondern hier muss selber organisiert werden. Während der Verkauf von Baumstriezel, Crepes und das Coffee-Bike angenehm exklusiv waren, kam der Verkauf von Pizzastücken eher langweilig daher. Damit war der Platz in der Halle ausgeschöpft und es musste auf das gepflasterte Außengelände ausgewichen werden.

Dort gab es einen Getränkestand (mit gut gemischter Auswahl), und einen Stand für Bratwurst, Currywurst und Pommes (wieder eher gewöhnlich). Gut, zugegeben, vielleicht liegt es bei mir am Alter, aber ich schätzte durchaus die ein oder andere Varianz im Essensangebot (Vegetarier?) und auch geschmacklich waren Currywurst und Pommes eher Durchschnitt. Preislich war es für die Menge und Qualität eher als teuer zu bezeichnen. Im MOC hingegen gab es auch z. B. Sandwiches unterschiedlicher Art zur Auswahl. Insgesamt war das Essensangebot für mein Empfinden im Zenith eher durchschnittlich und hätte besser sein müssen.

Miscellaneous

Jetzt hatten wir das Glück, dass der Samstag mit bestem Wetter daherkam. An einem Regentag ist das Außengelände kaum zu verwenden, was das Gedränge in der Halle erhöht hätte. Apropos: Wie voll war es denn jetzt wirklich da drin? Antwort: Es ging. Sicherlich schoben sich konstant zahlreiche BesucherInnen an den Ständen vorbei, aber es gab trotzdem immer wieder ein wenig Freiraum. Gehbehinderte Personen und Familien mit Kinderwagen waren jedoch deutlich benachteiligt und die Main Stage mit den Stufen hinauf nicht barrierefrei. Zudem war die Luft eher stickig und heiß, was im Laufe des Tages latent unangenehm wurde. Es gab draußen weder Sonnen- noch Regenschutz.

Hinzu kommen nur wenig Sitzgelegenheiten (innen wie außen; hier gab es im MOC dank mehr Platz mehr Möglichkeiten), was zu Grüppchenbildung auf dem Boden führte. An die Raucher war nicht gedacht worden, denn es gab weder Raucherbereiche, noch große Aschenbecher – die Kippen lagen am Boden, auf den man sich wohl zu setzen hatte, um die müden Beine mal kurz auszuruhen. Für das Außengelände könnte man sich ein Beispiel an der Roleplay Convention (rest in peace 😦 ) nehmen und einen kleinen Mittelaltermarkt aufziehen – das wäre erstklassig und im MOC beispielsweise nicht so einfach möglich. So schneidet im Vergleich zu letztem Jahr bei mir das MOC als Veranstaltungsort besser ab.

Die Auswahl der Stars war eine gute Mischung, wobei das für mich persönlich eine eher untergeordnete Rolle spielt. Gäste wie Chuck Norris werden erst mit viel Tamtam angekündigt, dann aber wieder abgesagt, weil zu wenig Autogrammtickets im Vorverkauf erworben wurden (für ca. 100 € ?! Kein Wunder …). Unabhängig davon, was ich von dieser Praxis (nur anreisen, wenn genug Autogrammverkäufe) halte (Spoiler: wenig), würde ich als Veranstalter diesen Umstand unbedingt offen legen. Auch der Wechsel zum Zenith hatte mit Sicherheit einen Hauptgrund: Kosten sparen. Sparen allerdings nur für den Veranstalter, nicht bei den Ticketpreisen … Fairerweise muss man sagen, dass es noch günstigere Nachmittagstickets gegeben hat. Das aber wiederum hat man natürlich vorher nicht erfahren, sondern nur online, als die Uhrzeit erreicht war. 😉 Insgesamt war die leicht verschleierte Kommunikation zwar unkritisch, aber unschön.

Comic Con Munich 2019
Hier konnte man Borderlands 3 anzocken – musste ich natürlich mal reinschauen 😉

Ich merke, der Bericht wird zu lang, ich muss aufhören. 🙂 Es gab schon die Terminankündigung für die GCC Munich 2020 – würde ich nochmal hingehen?

Fazit

Die GCC Munich hat für 2019 die Location vom MOC zum Zenith gewechselt. Auch das Zenith kann problemlos mit dem Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden. Die Haupthalle (Zenith) wurde bestmöglich vom Platz her für Aussteller, Catering und Main Stage ausgenutzt. Die Con-Atmosphäre war stets zu spüren und verdünnte sich nicht in einzelne Hallen wie im MOC. Es gab zusätzlich einen Außenbereich für Essen und Getränke, der jedoch weder Sonnen- noch Regenschutz bot. Sitzgelegenheiten für eine Pause waren insgesamt wenig vorhanden. Im Kohlebunker (zweite Veranstaltungshalle) waren ausschließlich die Stars für Autorgramme und Photo Shoots untergebracht. Wegen des spärlich genutzten Außenbereichs und diversen Aspekten wie Belüftung, Barrierefreiheit und Bewegungsfreiheit ist bei dieser Gestaltung das MOC im Vergleich der spürbar schönere Veranstaltungsort.

Einziges offizielles Programm fand auf der Main Stage statt, die räumlich begrenzt und auch abgeteilt war. Eine Teilnahme an einem Panel konnte nicht garantiert werden, und kostete im Fall von Game-of-Thrones-Star Lena Heady sogar extra. Die zahlreichen Cosplayer trugen durch ihr Erscheinen sehr zur Attraktivität der Veranstaltung bei, was programmlich meiner Meinung nach zu wenig gewürdigt wurde. Insgesamt hat sich die GCC Munich räumlich eher verschlechtert und ist in dieser Form zu klein, zu unspektakulär, um an zwei Tagen hinzugehen oder gar eine längere Anreise zu rechtfertigen. Ein zwar durchaus sehenswertes Staraufgebot ist zumindest für mein Empfinden kein einziges Kriterium für eine rundum gelungene Veranstaltung.

Es bleibt abzuwarten, ob die GCC Munich den „Sprung aus der Kreisklasse in die Bundesliga“ schafft. Für mich als Ansässiger aus der Region mit kurzer Anreise war der Tag durchaus schön und ich werde nächstes Jahr gerne wieder kommen. Da sollten sich allerdings bestimmte Punkte verbessert haben. 😉

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