Gaming

[Quickcheck] Hellblade: Senua’s Sacrifice

Bereits 2017 erschien das vom britischen Studio Ninja Theory entwickelte Videospiel Hellblade: Senua’s Sacrifice. Das Besondere bei diesem Spiel, welches auf keltischer und nordischer Mythologie basiert, ist der Schwerpunkt auf psychischen Störungen, unter denen die Hauptfigur Senua leidet. Nachdem das Spiel kürzlich im Sale bei Steam war und mir bereits empfohlen worden war, habe ich zugeschlagen und mich mit Senua auf ihre Reise begeben. Die Triggerwarnung zu Anfang ist sicher nicht übertrieben …

Gleich zu Beginn wird ungeschönt direkt deutlich, auf was man sich als Spieler*in eingelassen hat. Es gibt kein Charaktermenü, keine Minimap, kein Tutorial – Senua startet verunsichert, aber entschlossen ihre sehr persönliche Quest und genauso habe ich mich auch gefühlt. Ebenfalls von der ersten Minute an wird zudem klar, dass Senua unter Psychosen leidet. Es wird dringend empfohlen, mit Kopfhörer zur spielen, was ich nur unterstreichen kann, denn das Erlebnis der vielen Stimmen in Senuas Kopf ist beängstigend gut gelungen. Und das ist nur die Spitze des Eisberges, was da auf einen zukommt …

Senua’s Fluch der Dunkelheit

So bezeichnet Senua ihr Leiden, unter dem auch ihre Mutter gelitten hatte. Es äußert sich vielseitig und so hat es auch Einzug ins Spiel gefunden. Es ist das Kernelement des Spiels und bleibt mal dezent, mal intensiv bis an die Grenze des Erträglichen bestehen. Wohlüberlegt und erschreckend real bzw. plausibel werden diverse Störungen wie fremde Stimmen, verzerrte Wahrnehmung, Realitätsverlust, Panik und Angstattacken dargestellt. Nie wird hier überzeichnet oder verharmlost, sondern es bleibt konstant präsent, was das Spielerlebnis für mich zwar spannend und reizvoll, aber definitiv auch belastend gemacht hat. Nie gibt es inhaltlichen Relief: kein looten, kein Ausrüsten der Spielfigur, keine harmlose Sidequests – man ist mit Senua unerbittlich auf ihrer Reise hinab nach Helheim und ihrer Psychose verbunden. Es ist wirklich großartig gelungen, hat es aber für mich erforderlich gemacht, in kürzeren Etappen zu spielen, denn inhaltlich hinzu kommt Senuas belastende Geschichte.

Senua’s Quest

Wenngleich das Erleben der Psychosen so dominant ist, ist Hellblade: Senua’s Sacrifice letztendlich auch ein Storygame. Ich halte diesen Teil allgemein, um Spoiler zu vermeiden, denn sowohl Senua als auch als Spielender erfährt man Stück für Stück, warum Senua aufgebrochen ist, was sich in ihrer Vergangenheit zugetragen hat. Es ist wenig verwunderlich, dass es natürlich massiv belastende Vorkommnisse sind, die Senua zu dieser Reise genötigt haben. Allein das hätte schon ein inhaltlich packendes Spiel bedeutet, zusammen mit den Psychosen ist es echt harte Kost. Eine kurze Verschnaufpause bieten Runensteine, die Teile der Edda und Völsunga Saga erzählen und somit die Immersion ins keltisch/nordische Thema erhöhen. Die Story bleibt in sich schlüssig, auf den Punkt und liefert genügend Erklärungen und Einblicke zu verstehen, wer Senua ist und was ihre Motivation ist. Früh gelingt es, sich mit Senua verbunden zu fühlen, was unheimlich wichtig ist, da sie abgesehen von einigen wenigen Nebenfiguren uneingeschränkt im Fokus steht. Bald wird klar, dass Senua nicht nur ihr Ziel erreichen, sondern sich auch selbst überwinden, ihre Dunkelheit durchwandern muss, um letztendlich erfolgreich zu sein. Das war es, was mich gemeinsam mit Senua bis an das Spielende vorangetrieben hat: Wird sie das schaffen?

Steuerung & Sound

Jetzt wird es abseits von intensiver Story und audio-visuellem Glanz doch nochmal beinahe banal, denn letztendlich bleibt es ein Videospiel und gänzlich ohne Steuerung kommt auch Hellblade: Senua’s Sacrifice nicht aus. Senua steuert sich als Figur angenehm, weder zu leichtfüßig, noch zu schwerfällig. Gelegentlich muss gekämpft werden und Senua kann zeigen, dass sie eine veritable Kriegerin ist. Die Kämpfe fühlen sich unheimlich wuchtig und somit ebenfalls sehr intensiv an. Senua hat keine Lebensenergie, sondern kann nur wenige Treffer nehmen, zeigt Emotion und Stärke. Die sonst so an ihr nagenden Stimmen stoßen hier schon mal einen Warnruf aus, wenn ein Feind hinter ihr steht. Generell belassen es die Stimmen in Senuas Kopf nicht nur bei Zweifel und Spott, sondern geben gelegentlich wichtige Tipps, um im Spiel voranzukommen. Stirbt Senua, startet man am letzten Checkpoint und ihre Verderbnis kriecht von der Hand aus den Arm empor. Wenn sie den Kopfbereich erreicht, endet das Spiel – das trägt deutlich zur Spannung bei, wobei nicht nach wenigen Malen des Scheiterns schon der Neustart droht, sondern man muss offenbar wirklich sehr oft gestorben sein, ehe das eintritt. Musikalisch und von den Atmo-Sounds her kann das Spiel ebenfalls voll punkten. Es fügt sich wunderbar in das Gesamterlebnis mit ein.

Fazit

Hellblade: Senua’s Sacrifice ist ein intensives Storygame im keltisch-nordischen Setting und hat einen großen Schwerpunkt auf der Darstellung und dem Erleben von Psychosen. Dieser Punkt wiegt schwer und die Triggerwarnung ist nicht übertrieben. Kürzere Spielsessions waren für mich sehr hilfreich, das Spiel dennoch genießen zu können. Es glänzt audio-visuell mit dem Abbilden von Senuas desolatem Gesundheitsszustand und auch mit einer emotional aufgeladenen Story. Die Steuerung ist schlicht, aber das Spiel bietet kein direktes Tutorial, was gelegentlich zu Frustmomenten beispielsweise bei Kämpfen führen kann. Die fühlen sich jedoch wuchtig und real an, ebenso verhält sich Senua, die bei aller Unsicherheit hinsichtlich ihres geistigen Zustandes eine starke Kriegerin ist. Schlussendlich war ich sowohl froh als auch erleichtert, als ich das Ende erreicht hatte. Hat es sich gelohnt, das zusammen mit Senua durchzustehen? Ja, auf jeden Fall! Hellblade: Senua’s Sacrifice ist durch die gewählte Gestaltung und den Inhalt sehr speziell und bietet ein einzigartiges, tief gehendes Erlebnis für alle Fans nordischer Sagen und Mythologie. Ein zweiter Teil ist bereits angekündigt, wir dürfen also gespannt sein, wie es um und mit Senua weitergeht.

Habt ihr Hellblade: Senua’s Sacrifice gespielt? Wie war es für euch? Sagt es mir gern in den Kommentaren 🙂

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